Aktuelles aus Gengenbach
Aus dem Hitzesommer lernen
Hohe Temperaturen, Trockenperioden und Extremwetterereignisse: Die Stadt nimmt die Erfahrungen zum Anlass, konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen und bestehende Planungen weiterzuentwickeln.
Der Sommer ist vorbei – die Erfahrungen aus den vergangenen heißen Monaten bleiben.
Hohe Temperaturen, lange Trockenperioden und zunehmende Extremwetterereignisse: Der
vergangene Sommer hat erneut deutlich gemacht, dass sich auch Gengenbach auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen muss. Die Stadtverwaltung nimmt die Erfahrungen zum Anlass, konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen und bestehende Planungen weiterzuentwickeln.
Klimaanpassung bedeutet dabei mehr, als auf einzelne Wetterereignisse zu reagieren. Vielmehr geht es darum, heute die richtigen Weichen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte zu stellen.
Wie können Menschen besser vor Hitze geschützt werden? Wie lässt sich Wasser in der Stadt halten und sinnvoll nutzen? Wie müssen öffentliche Räume und neue Baugebiete gestaltet werden? Und wie kann Gengenbach auf Extremwetterereignisse vorbereitet sein?
Schutz vor Hitze beginnt bei den Jüngsten
Ein besonderer Fokus liegt auf Kitas und Schulen. Nachdem inzwischen alle städtischen
Kindertageseinrichtungen mit Klimageräten ausgestattet sind, sollen weitere Maßnahmen folgen. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Verschattung der Gebäude. Sie kann dazu beitragen, die Räume während der heißesten Stunden vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen und die Temperaturen spürbar zu reduzieren. Auch bei den Schulen soll der Hitzeschutz ganzheitlich betrachtet werden. Die Stadtverwaltung steht hierzu bereits mit den Schulleitungen und Elternvertretungen im Austausch. Gemeinsam soll erörtert werden, welche Maßnahmen kurzfristig möglich sind und welche mittel- und langfristig geplant werden müssen. Dabei geht es nicht allein um die Gebäude. Auch die Gestaltung der Schulhöfe spielt eine wichtige Rolle. Mehr Bäume und Schatten, begrünte Flächen und geeignete Aufenthaltsbereiche können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche auch an heißen Tagen gerne Zeit im Freien verbringen. Gleichzeitig entstehen dadurch langfristig attraktivere Lern- und Lebensräume.
Klimaangepasstes Bauen beginnt bei der Planung
Klimaanpassung beginnt dort, wo Entwicklung noch gestaltet werden kann. Deshalb soll das Thema auch bei künftigen Bauprojekten von Anfang an berücksichtigt werden.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Prinzip der Schwammstadt. Auch bei der weiteren Planung des HUKLA-Areals soll eine klimaangepasste Gestaltung mit einer durchdachten Grüngestaltung verbunden werden. Ziel ist es, Regenwasser möglichst vor Ort aufzunehmen, zurückzuhalten und zu nutzen beziehungsweise versickern zu lassen – anstatt es bei Starkregen möglichst schnell abzuleiten.
Bäume, Grünflächen und unversiegelte Bereiche leisten dabei gleich mehrere Beiträge: Sie
können bei Starkregen Wasser aufnehmen, helfen in Trockenperioden beim Erhalt von Feuchtigkeit und spenden an heißen Tagen Schatten. Damit wird Stadtentwicklung zu einem wichtigen Baustein der Klimaanpassung. Die entsprechenden Themen sind bereits gemeinsam mit verschiedenen Fachleuten aufgenommen worden und sollen im weiteren Planungsprozess vertieft werden.
Auch die Landwirtschaft im Blick
Klimaanpassung betrifft jedoch nicht nur städtische Gebäude und öffentliche Räume. Auch die Landwirtschaft steht vor wachsenden Herausforderungen. Gerade in den Tallagen stellt sich beispielsweise die Frage nach einer langfristig verlässlichen Wasserversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe. Der mögliche Anschluss der Höfe an die Frischwasserversorgung ist dabei eine sehr komplexe Aufgabe. Es geht nicht um einzelne Gebäude, sondern um größere zusammenhängende Bereiche, bei denen teilweise auch Nachbaranwesen und weitere Beteiligte und andere Nachbarkommunen betroffen sind. Hinzu kommen technische Herausforderungen durch die Höhenunterschiede sowie erhebliche finanzielle Fragen. Eine solche Maßnahme lässt sich deshalb nicht kurzfristig umsetzen. Sie muss sorgfältig geplant, technisch geprüft und gemeinsam mit den Betroffenen und weiteren Beteiligten entwickelt werden. Gerade bei solchen großen Infrastrukturaufgaben gilt: Nicht alles lässt sich innerhalb weniger Jahre lösen – aber die notwendigen
Planungen müssen rechtzeitig beginnen.
Mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt
Klimaanpassung bedeutet aber nicht nur Vorsorge. Es geht auch um die Frage, wie sich Menschen in Gengenbach künftig wohlfühlen können. Gerade in der Innenstadt sollen deshalb Möglichkeiten für mehr Aufenthaltsqualität und klimaangepasste öffentliche Räume weiterentwickelt werden.
Schatten, Bäume, Begrünung, Wasser und geeignete Aufenthaltsbereiche können dabei nicht nur bei hohen Temperaturen einen Unterschied machen, sondern die Innenstadt insgesamt
attraktiver machen. Damit wird Klimaanpassung zu einem Thema, das viele Bereiche miteinander verbindet: Stadtgestaltung, Aufenthaltsqualität, Natur, Wasser und Lebensqualität.
Für Extremwetterlagen gut vorbereitet
Klimaresilienz bedeutet allerdings mehr als Hitzeschutz. Neben zunehmenden Hitze- und Trockenperioden müssen wir uns auch auf Extremwetterereignisse wie Starkregen vorbereiten. Innerhalb der Stadtverwaltung soll deshalb künftig der Bereich Kommunales Krisenmanagement aufgebaut werden. Ziel ist es, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass die Stadtverwaltung im Ernstfall schnell,
koordiniert und wirkungsvoll handeln kann.
Dafür braucht es klare Abläufe und Zuständigkeiten ebenso wie funktionierende Kommunikationswege. Entscheidend ist außerdem eine enge Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Rettungsdiensten, weiteren Behörden und anderen beteiligten Stellen.
Denn gute Vorbereitung beginnt lange vor dem eigentlichen Ereignis.
Klima- und Naturschutz als zusätzliche Aufgabe in der Stadtverwaltung
Die Themen sind vielfältig und reichen von kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen bis hin zu Projekten, die einen langen Planungs- und Investitionshorizont benötigen. Um die vielfältigen Herausforderungen künftig noch gezielter zusammenzuführen, werden innerhalb der Stadtverwaltung zusätzliche Aufgaben im Bereich „Klima- und Naturschutz“ gebündelt und weiterentwickelt. Damit sollen Maßnahmen zentral koordiniert, weiterentwickelt und über die verschiedenen Bereiche der Stadtverwaltung hinweg miteinander verknüpft werden. So sollen Klimaanpassung und Naturschutz stärker als gemeinsame Querschnittsaufgabe betrachtet
werden – von der Stadtplanung über die Gestaltung öffentlicher Räume bis hin zum Umgang mit Wasser und den Vorbereitungen auf Extremwetter.
Der vergangene Sommer hat einmal mehr gezeigt, dass Klimaanpassung keine abstrakte Zukunftsaufgabe ist. Sie betrifft unsere Kitas und Schulen, unsere Landwirtschaft, unsere Innenstadt, die Entwicklung neuer Baugebiete und den Umgang mit Wasser und Extremwetter. Gengenbach wird diese Aufgaben Schritt für Schritt angehen: mit konkreten Maßnahmen dort, wo kurzfristig etwas möglich ist, und mit langfristiger Planung bei den großen Herausforderungen.
Ziel ist eine Stadt, die auch unter veränderten klimatischen Bedingungen lebenswert bleibt – und zugleich besser darauf vorbereitet ist, wenn außergewöhnliche Wetterlagen Gengenbach vor besondere Herausforderungen stellen.



