Aktuelles aus Gengenbach
Schwerpunktthema Bauen: Das war die Einwohnerversammlung 2026
Reges Interesse an Hukla-Plänen, Wärmeplanung und Bauturbo
Mehr als 100 Menschen waren am Montag, 6. Juli, in die Stadthalle am Nollen gekommen, um sich umfassend zum Thema „Bauen und Wohnen in Gengenbach“ zu informieren: Unter diesem Motto stand in diesem Jahr die Einwohnerversammlung der Stadt Gengenbach. Neben der kommunalen Wärmeplanung wurde der aktuelle Stand zum Hukla-Areal vorgestellt sowie der zum Ende vergangenen Jahres eingeführte Bauturbo.
Schon im ersten Tagesordnungspunkt wurden weitreichende Themenkomplexe angesprochen: So ging Abraham Kern von den Stadtwerken Gengenbach, der bereits an der Erstellung des kommunalen Wärmeplans eng beteiligt war, zunächst auf den menschengemachten Klimawandel ein, den die Wissenschaft als Fakt betrachtet. Um die notwendige Reduktion von Treibhausgasemissionen voranzutreiben, verpflichte das Wärmeplanungsgesetz alle Kommunen zur Erstellung eines kommunalen Wärmeplanes – kleinere Gemeinden bis 2028.
Gengenbach habe diese Aufgabe jedoch schon früher erledigt. Alle fünf Jahre muss der Wärmeplan erneuert und so immer möglichst aktuell gehalten werden. Für Gengenbach zeichne sich ab, dass in einigen Areal mittelfristig Wärmenetze entstehen könnten, während in anderen Wärmepumpen und andere dezentrale Lösungen eine wichtige Rolle spielen werden. Auf Nachfrage aus der Bürgerschaft gab Kern Einblick in die laufenden Planungen der Stadtwerke zur Realisierung eines Nahwärmenetzes in der Innenstadt und der Kinzigvorstadt. Hierzu würde aktuell eine Machbarkeitsstudie laufen. Erste Haushalte sollen voraussichtlich ab 2030 mit Nahwärme versorgt werden. Geeignet für den Anschluss seien im geeigneten Gebiet alle Häuser, unabhängig vom Baujahr. Auskunft bei konkreten Fragen geben die Stadtwerke jederzeit gerne auf Anfrage. Weitere Informationen zur kommunalen Wärmeplanung gibt es auf der Homepage der Stadt.
Ähnlich bedeutend für Gengenbach war der zweite Tagesordnungspunkt: Die laufenden Planungen zum Hukla-Areal. Einblicke in den aktuellen Sachstand gewährte Knut Maier von Baldauf Architekten, der den Besucherinnen und Besuchern vor Ort gemeinsam mit seinem Kollegen David Banhart auch für Fragen zur Verfügung stand. Er präsentierte nicht nur die aktuellen Entwürfe der Bebauungspläne, sondern gewährte auch erste Einblicke in das Gestaltungshandbuch, das künftig Empfehlungen für die Optik des Areals geben soll. Auch dank der bebilderten Präsentation konnten die Veranstaltungsteilnehmer ein erstes Gefühl dafür bekommen, wie das Gelände in einigen Jahren aussehen könnte.
Maier machte anhand eines Vorher-Nachher-Vergleichs deutlich, wie sich die Planungen durch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger fortentwickelt hatte. So sei zu Beginn beispeilsweise noch stärker differenziert worden zwischen den Flächen, die dem privaten Träger Aliseo gehören, sowie den städtischen Arealen. Heute sei weniger Trennung vorhanden, weil ein gemeinsamer Entwurf des Quartiers erarbeitet werden konnte. Angeordnet sein könnten die neuen Wohnquartiere künftig in Form von Quadraten mit grünen Innenhofflächen in der Mitte, die sich unter anderem an Strukturen aus der Altstadt und dem Kloster orientieren. Insgesamt soll das Gebiet mit 1,5 Hektar Grünflächen sehr naturnah werden. Die gesamte Präsentation können Interessierte über das Rastinformationssystem der Stadt Gengenbach einsehen.
Abschließend ging Dagmar Lukert, Leiterin der Allgemeinen Bauverwaltung der Stadt Gengenbach, noch auf das „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“ ein – besser bekannt als „Bau-Turbo“. Der Bundestag hatte dieses Gesetz im Oktober 2025 verabschiedet. Im Dezember hatte sich der Gemeinderat darauf geeinigt, Entscheidungen zum Bauturbo im Einzelfall zu regeln über den Entschluss des Gemeinderates. Der Bauturbo ermöglicht es im Einzelfall, Bauvorhaben zur Schaffung von Wohnraum von der Einhaltung örtlich geltender Vorschriften aus den Bebauungsplänen zu befreien.
Lukert erläuterte, dass der Bauturbo unter bestimmten Voraussetzungen weitergehende Ausnahmen von den Festsetzungen eines Bebauungsplans ermöglichen könne. So lasse sich beispielsweise durch die Aufstockung eines Gebäudes zusätzlicher Wohnraum schaffen, sofern öffentliche Belange – etwa der Hochwasser- oder Naturschutz – nicht entgegenstehen. Einen Rechtsanspruch auf eine Genehmigung gebe es jedoch nicht. Jeder Antrag werde individuell geprüft und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt.
Wer Fragen zum Bauturbo oder zu einem konkreten Bauvorhaben hat, kann sich jederzeit an die Allgemeine Bauverwaltung der Stadt Gengenbach wenden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten Eigentümerinnen und Eigentümer gerne zu den jeweiligen Möglichkeiten und Voraussetzungen.
Insgesamt hat der Abend die Breite des Themenspektrums und die Leistungsfähigkeit der Stadt Gengenbach und ihrer Eigenbetriebe sichtbar gemacht. Den beteiligten Mitarbeitenden ist es gelungen, neben dem Tagesgeschäft ein stimmiges Informationsangebot zu erarbeiten, um die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu erreichen. Den Beschäftigten dankte Bürgermeister Sven Müller abschließend für ihren Einsatz, den Besuchern für ihr Interesse und den konstruktiven Austausch. Gleichzeitig appellierte er an die Bürgerinnen und Bürger, sich auch künftig aktiv und konstruktiv einzubringen und den Dialog mit der Stadtverwaltung fortzusetzen. Denn der Austausch sei wichtiger Bestandteil, die Zukunft der Stadt zu gestalten.
