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Untergang einiger Orte
Das gleiche Katastrophenwasser von 1430 flößte auf der anderen Kinzigseite das abteiliche Dorf Beiern weg. Es lag westnordwestlich von Bergach, nördlich von der schmälsten Stelle des unteren Kinzigtals, etwa 500 m vom Strohbacher Kreuz ent-fernt. Dort ist heute noch ein auffallend dichtes Wegenetz vorhanden. Vom 13. bis 15. Jahrhundert können wir den Ort Beiern nachweisen. Der Name wurde auch Beigern, Beyern, Begern, Peiern oder ähnlich geschrieben. Die Lage des dortigen abteilichen Dinghofes (Kurie) ist genau bekannt: „zu Bützlin unterhalb des Weges neben dem Gut (des Abtes Hof) des Klosters Gengenbach".
Der Name ist erstmals 1287 aufweisbar. 1414 wurde der Dinghof in einen erblichen Pachthof umgewandelt gegen jährlich 24 Viertel Roggen, 6 Viertel Gerste und 2 Pfennig. Die Quittungen über den Empfang dieser Gült hat das Kloster im Kurienbuch aufgeschrieben bis 1429. Danach fehlt jede weitere Nachricht. Im Verzeichnis der Steuererträgnisse zu Strohbach, Fußbach und Schönberg für die Landvogtei zu Ortenberg von 1440 kommt Beiern nicht mehr vor. Die Niederlassung ist also 1430 untergegangen. Die Flurnamen „im Beyer Feld" und „Bayerwasen" sind die übrig gebliebenen Spuren. Dort war ein typisch gefährliches Gelände, wo die Kinzig sicher unzähligemal ihren Lauf änderte. Bei der Kinzigbegradigung wurde dort ein besonderer Sicherungsdamm gegen den Berg abgezweigt. Das Gelände liegt auch heute noch besonders tief (Pfuhl). Wenn jetzt im Winter das Hochwasser in das Land hinter den Dämmen läuft, kann man den ehemaligen Flußlauf ein gutes Stück weit verfolgen, wobei auch die gefährdete Lage des ehemaligen Beiern offenbar wird.
Der Name deutet auf Siedler aus Bayern. Frühzeitig hatte Gengenbach Verbindung mit Niederbayern. Das dortige Kloster Nieder-Altaich erhielt von St. Pirmin Mönche aus Gengenbach. Im 13. Jahrhundert war mit den bayerischen Benediktinerklöstern wieder Fühlung aufgenommen worden. Wir haben es hier mit Neusiedlern der Ausbauzeit zu tun, nach denen dann der Platz von den Nachbarn „bei den Beiern" oder kurz „Beiern" genannt wurde.
Gleichzeitig mit Beiern verschwand auch der nahe gelegene kleine Weiler Brambach, etwa 1 km weiter südlich. Bei den Einheimischen ist der Name als Örtlichkeitsbezeichnung bis jetzt erhalten geblieben. Der südlich von Fußbach auf später Rodung liegende Brandenhof heißt im Volksmund Brambe, also vielleicht das verlegte ehemalige Brambach. Es bleibt auffallend, daß die ältesten Rodungssiedlungen auf der Winterseite des Tales am Rande des engeren Auengebietes angelegt wurden. Nach dem Untergang von Beiern und Brambach haben sich die Bewohner in dem zum Beierner Bann gehörigen, aber wassersicheren Strohbachtälchen niedergelassen.