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Ohlsbach
Die Randgebiete einer Landschaft haben in den meisten Fällen Interessen, die nach verschiedenen Richtungen gehen, und entscheidend dafür sind dann die Straßen des laufenden Verkehrs. Ohlsbach lag am Ausgang des Kinzigtals hinter der Burg Ortenberg, dem politischen und Machtmittelpunkt der mittleren Ortenau. Dort begann die Rheinebene mit Offenburg als städtischem Haupt. Deshalb lag Ohlsbach sowohl am Rande des Einflußgebietes von Offenburg als auch von Gengenbach und dazu noch im unmittelbaren Bereich von Schloß Ortenberg, und diesen Gegebenheiten mußte die gemeindliche Entwicklung von Ohlsbach zwangsläufig folgen. Gleichwohl war Ohlsbachs Bindung an Gengenbach von Anfang an stärker als an die andern Machtzentren, weil es zur Grundherrschaft und zur Pfarrei Gengenbach zählte.
Die unmittelbare Nachbarschaft von Schloß Ortenberg machte sich nicht gerade angenehm fühlbar. Dort wohnte der Landvogt der Ortenau. Für ihn waren die Ohlsbacher zu allerhand Leistungen und Diensten verpflichtet. Sie lieferten jährlich auf Martini drei Viertel Roggen, sechs Viertel Hafer, sechs Fuder Holz; Leute ohne Großvieh waren jährlich zu drei Tagen Arbeitsdienst verpflichtet. Sämtliche Ohlsbacher mußten in der Fron bis zum Ostermittwoch die Schloßreben von Ortenberg einfriedigen zum Schutz gegen weidendes Vieh. Als Fronbrot dafür bekamen sie 60 Brote. Dafür waren sie von der sonst allgemein geforderten Gebühr von 4 Pfennig je Haus befreit. (Übrigens mußte die Stadt Gengenbach vier Eselsgespanne unterhalten, die das Wasser zur Burg hinauftrugen, und außerdem noch Hafer abliefern.)
Nun hatte die Abtei schon seit Gründungszeiten die Grafschaftsrechte für ihre Grundherrschaft, aber noch keinen Grafschaftsbezirk dafür. Diesen bekam die Abtei 1275. Er umfaßte die gesamte klösterliche Grundherrschaft vom Schwiegenstein bis vor Ortenberg, so daß Ohlsbach den Grenzbezirk bildete. Der Name der Grafschaft richtete sich nach dem Sitz des obersten Gerichts, des Kammergerichts des Abtes: Grafschaft Gengenbach, obwohl vereinzelt auch der Name Grafschaft Schwiegenstein dafür verwendet wird. Jetzt wurde der alte klösterliche Immunitätsbezirk (= Freibezirk) amtlich von der bisher ungeteilten Gaugrafschaft Ortenau abgetrennt, allerdings nicht ohne Gegengabe. Die Abtei mußte neun Hüben von Ohlsbach, die am nächsten bei Schloß Ortenberg lagen, aus der Grafschaft ausgliedern und an den König, das heißt, in diesem Fall an seine Landvogtei abtreten. Das war die Hälfte der Ohlsbacher Hüben. Dieser Vorgang schuf schwierige verwaltungstechnische Probleme in Ohlsbach, denn der gesamte Ortsteil Ohlsbach-Hub sollte trotzdem ein geschlossener Hubbezirk bleiben, der 1652 ausdrücklich für die weitere Zukunft erneuert wurde und bis 1803 in Geltung war.
Neben dem alten Kuriengericht verschaffte sich das Ohlsbacher Hubgericht besonders für Frevelsachen immer mehr Einfluß. Nach der Zahl seiner Mitglieder hieß es auch Siebenschaft. Als 1365/1366 durch Abt Lambert und Kaiser Karl IV. das reichsstädtische Gebiet geschaffen wurde, sollte das gesamte Kirchspiel Gengenbachs dazu gehören, also auch Ohlsbach. Es dauerte indessen noch über dreißig Jahre, bis alle damit zusammenhängenden verwaltungstechnischen Schwierigkeiten geklärt waren. Man mußte bei Ohlsbach eine abweichende Regelung treffen. Die Ohlsbacher Bauern mußten eine eigene Zunft bilden, und diese schloß sich am 23. Juni 1402 an das Reichsstadtgebiet an. Wie die andern Geburschaften, bekam Ohlsbach einen Heimburgen als Haupt der örtlichen Verwaltung. Abweichend von der sonst üblichen Regelung durften die Ohlsbacher ihn selbst bestimmen. Er wurde in besonderem Auftrag dafür verantwortlich gemacht, daß keine Frevelsachen, die an das Stadtgericht gehörten, diesem entzogen und vor dem Ohlsbacher Hubgericht ausgetragen wurden. Man erkennt daraus leicht die Rivalität der beiden Gerichte, die eben dadurch zustande kam, daß ein Teil des Hubbezirks nicht der Gengenbacher Jurisdiktion unterstand, was man auf allerlei schlauen Wegen zum eigenen Vorteil ausnutzen konnte.
Beim Anschluß Ohlsbachs an Gengenbach entstand die zusammenstellende Abfassung „derer von Ohlsbach Ordnung alten Herkommens", worin die Abgaben der Gemeinde an die Mesner der Leutkirche und der Reichenbacher Kapelle, an das Schloß Ortenberg, die Bestimmungen über Holzhieb, Viehtrieb, über den Schweinehirten, die Bürgerannahme, die Strafen usw. aufgeführt sind. Von da an sind Verwaltung und Schicksale Ohlsbachs im wesentlichen die nämlichen wie die der übrigen Stabsgemeinden.
Aus diesem kleinen Ort stammten mindestens zwei Gengenbacher Äbte, bei denen wir die Herkunft sicher wissen. Der erste von ihnen, Abt Hugo, regierte um 1265. Lange hatte das Kloster einen Teil des dortigen Waldgebietes in eigener Nutzung behalten: den Riesenwald. Der Name ist keine romantische Erinnerung an Riesen und Zwerge, sondern war das ursprüngliche Waldgebiet des Riesberghofs, kurz Riesbergen, Rieshof oder Ries genannt, bei Fessenbach. Der Hof ging als Rebhof vorübergehend durch Verpfändung in andere Llände über. Den Wald jedoch hatte das Kloster festgehalten, und Abt Hugo verpachtete dort - wohl nur teilweise - den Holzhieb.
Der spätere aus Ohlsbach stammende Abt, Berthold IV., regierte von 1341 bis 1354. Unter ihm ging 1344 der Wald, Riesenwald und Buchhalde genannt, in Erbpacht an die Gemeinde Ohlsbach über. Er war im ganzen etwa 120 ha groß, und 12 ha davon konnte die Gemeinde Ohlsbach 1361 von Abt Lambert als Eigentum erwerben. Nach 1803 ging der ganze Riesenwald in das Eigentum der Gemeinde über.