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Magnus Scheffel
Schon seit 1795 schwirrten Nachrichten ins Kinzigtal, daß die kleinen Reichsstände den großen angegliedert werden sollten. Sofort erbat der Abt den Beistand des oberlehensherrlichen Bischofs von Bamberg, um dieses Schicksal abzuwehren. Aber der Untergang war unvermeidbar. Der bedeutendste der damaligen Klosterbeamten war Magnus Scheffel, geboren am 6. September 1752 in Langerringen im Landkreis Augsburg. Abt Jakob Trautwein war sein Onkel und übertrug ihm 1780 die freigewordene Oberschaffnerstelle. Der unverheiratete Mann wohnte zunächst im Kloster. Der Rat hatte es gerne, daß die oberen Klosterbeamten, mit denen die Gengenbacher zu tun hatten, in der Stadt wohnten. Dadurch gerieten sie in eine gewisse Abhängigkeit von der Stadt, und der Rat konnte notfalls einen Druck auf sie ausüben. Andererseits wollte der Rat verhindern, daß die Bürger mehr als notwendig ihren Schoppen in der Klosterschenke im „Ausland" tranken, wo man den spritzigen Riesberger oder Durbacher billiger schlotzen konnte. Deswegen mußte Scheffel in das Oberschaffnerhaus ziehen (dort die Gedenktafel mit teilweise unrichtigen Angaben). Dahin führte er 1788 seine Frau Johanna Laible, Tochter des Stadtphysikus von der Herrenzunft. „Da der Herr Oberschaffner sich bisher sowohl gegen den hochlöblichen Magistrat als auch gegen die Bürgerschaft äußerst lobenswürdig betragen hat", erteilte ihm der Rat aus eigenem Antrieb 1795 das Bürgerrecht.
Indes mußte der wackere Scheffel in der Familie des Schwiegervaters wegen Krankheit und dadurch verursachter finanzieller Notlage viel Leid und Ungemach erfahren. Immer wieder sprang er mit Rat und Tat helfend bei, so gut er konnte.
Kanzleipräfekt war damals Ignaz von Frembgen unter dem Titel Konsulent. In den neunziger Jahren wurde er taub und dienstunfähig. Da mußte Scheffel dessen Geschäfte noch mit übernehmen, so daß er die beiden höchsten Ämter der Klosterherrschaft vereinigte.
Schon seit 1801 bereitete der badische Markgraf alles vor zu einer raschen Übernahme unseres Gebietes. Er beauftragte dazu seinen Mahlberger Landvogt Freiherrn von Roggenbach. In seinem Geheimbericht (1802) urteilte dieser über Scheffel: „Ich wüßte in dem Falle, wenn die Verwaltung der Geistlichkeit abgenommen und die Gefälle für Euer Hochfürstliche Durchlaucht verwaltet werden sollten, hierzu kein besseres Subjekt als ihn in Vorschlag zu bringen. Man kann auf ihn als einen mit seinen Aufgaben vertrauten Mann vollkommen bauen. Er ist nicht nur im Rechnungswesen sehr bewandert, sondern hat auch bei einem natürlichen Verstände sehr gute landwirtschaftliche Kenntnisse. Ich kann ihn daher ohne alles Bedenken zur weiteren Anstellung bei einer Verrechnung empfehlen."
1803 wurde die Abtei tatsächlich aufgehoben, und die Klosterherrschaft kam ans Land Baden. Scheffel wurde wirklich übernommen und 1804 zum badischen Amtskeller (= Domänenrat) ernannt, was er bis zu seiner Pensionierung 1819 blieb. Da konnte er wehmütig über die stolze Zeit nachgrübeln, als er noch Oberregent eines großen Gebietes war. Er starb am 25. September 1832 in Gengenbach. Ein Gedenkstein für ihn wurde 1951 eingeweiht, rechts vom Haupteingang des Friedhofs.
Im Karlsruher Hause seines Sohnes, der Ingenieur war, wuchs der Dichter Josef Viktor von Scheffel auf. Später im Leben hat er in mancherlei enger Beziehung zu Gengenbach, der Wirkungsstätte seines Großvaters, gestanden.