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Kaiser Maximilian I. und die Reformation
Schon vor Maximilian I. begann es. Geistige Unruhe durchflutete das ganze Abendland. Nicht nur in der damaligen Philosophie sprach man von „neuen Wegen". In der Kirche gab es neuartige Diskussionen, die dogmatische Unsicherheit und Zweifelsucht in die religiösen Anschauungen mancher Gläubigen brachten. Die Naturwissenschaften verbreiteten Beunruhigung: Läuft die Sonne um die Erde oder ist es am Ende gar umgekehrt? Es wurde Mode, sich mit den Werken der heidnischen Griechen und Römer zu beschäftigen (= Humanismus). Gelehrte und Studierte erhöhten ihren schlichten bürgerlichen Namen ins Lateinische: aus Knecht machten sie den erhabeneren Servitor, aus Bauer den gelehrten Agricola, aus Bäcker den stolzen Pistorius, aus dem Schmiedesohn einen klugen Fabri. Und nicht nur die Geisteshaltung, auch Wirtschaft und Handel veränderten sich, denn man begann, sich neue Wege zu Land und zu Wasser zu suchen, wobei der bedeutendste Weg von Christoph Columbus gefunden wurde mit der Entdeckung Amerikas.
Obgleich man die tieferen Gründe nicht kannte, spürte man auch in der Stadt Gengenbach sehr schmerzlich den Einbruch des Neuen im alten, festgefügten Lande. Unbegreiflich war es für unsere Vorfahren, warum jetzt Jahr für Jahr weniger Handelswagen aus Richtung Villingen kamen. Eine geradezu unglaubliche Richtungsänderung vollzog sich vor den überraschten Augen der Zeitgenossen. Vorher kamen von Venedig und Genua über die Alpen hochbepackte Warenzüge, zogen durch Gengenbach, zahlten eine für den Einzelnen geringe Abgabe und fuhren weiter auf die Markte der Städte im Rheingebiet. Mit raschem Gespür für die Notwendigkeiten der sich anbahnenden Entwicklung verlagerten jetzt die großen oberdeutschen Handelshäuser ihre Kontore nach Rotterdam und leiteten ihre Schiffe dorthin. Nun begann von dort her der endlose Treck der Handelsfahrzeuge das Rheintal aufwärts. Wie viele hatten da ihre Waren schon verkauft, bevor sie zu uns gelangten! Wie wenig Wagen kamen also noch durch Gengenbach und mit wie wenig Waren! Die Stadt merkte es an den immer geringer werdenden Durchfahrts-Einnahmen, und die vom Durchgangsverkehr lebenden Wirte und Handwerker - und dazu gehörten fast alle - sahen den Umsatz bedrohlich zurückgehen. Manche zogen infolgedessen von dannen, dem Handel, dem guten Geschäft nach, und deshalb gab es jetzt auch bei uns leere Häuser. Der Wohlstand begann zu weichen, die Armut schlich langsam in die Familien ein. Manche jungen Männer folgten dann dem lockenden Ruf der Landsknechtstrommeln.
Natürlich verlangten die Leute vom Rat Abhilfe. Aber wie konnte er helfen, wo diesmal die Ursachen so weit außerhalb seiner Reichweite lagen? Das aber führte bei den durch die guten Gengenbacher Tropfen leicht erregbaren Einwohnern zu leidenschaftlichen Unruhen. Sie gingen zum Kaiser Max, jetzt oft auch mit unrichtigen Angaben, und erwirkten Erlasse gegen die Stelle des geringsten Widerstandes, gegen die Abtei. Die Unrichtigkeit der Voraussetzungen lag allerdings allzusehr auf der Hand, und leere Häuser konnten auch durch einen kaiserlichen Erlaß nicht wieder gefüllt werden.
Das einzige Heilmittel war, die Stellung der Stadt als Mittelpunktsort ihrer Landschaft stärker auszubauen, alles Aufgeblähte auf ein Durchschnittsmaß zurückzuführen, die Rolle als Residenzstadt der klösterlichen Grundherrschaft auszunützen und auszugestalten sowie die Wallfahrten zu pflegen, die tatsächlich um 1500 einen deutlich erkennbaren Aufschwung nahmen.
Doch hier hatte sich ebenfalls eine Wandlung vollzogen. Die Religiosität war anders geworden. Die Geistlichen und die Mönche, die Träger des religiösen, geistigen und wissenschaftlichen Lebens in der Provinz, blieben zum Teil nicht mehr im Bereich ihrer alten Ordnungen. In der Abtei zum Beispiel wurde die Klausur nicht mehr gehalten. Die Benediktiner mischten sich unter die Kinder dieser Welt, nahmen weltliche Gewohnheiten an, empfingen Besuche im Kloster und in der Stadt. Die adeligen Mönche trugen im Kloster den kurzen Adelsdegen über der Mönchskutte. Und ausgerechnet jetzt, wo der Nachwuchs für das Kloster von selbst immer geringer wurde, setzte sich sogar der Kaiser dafür ein, daß nur Adelige in die Abtei aufgenommen werden sollten.
Die eigenartige Religiosität jener Tage ist schwer zu enträtseln. Wir Heutigen haben dabei die Empfindung, daß sich das religiöse Leben verringert und abgeschwächt habe. Und doch wurde gerade 1505 das sogenannte Frauenchörlein mit dem Grab Christi, das schönste Stück in der Abteikirche, vom Abt Konrad von Müllnheim, einem Straßburger Patrizier (1500-1507), erbaut. Gleichzeitig kam die St.-Einbethen-Verehrung auf dem Bergle zur Blüte, vom gleichen Abt (zuvor Stadtpfarrer) aus Straßburg herübergebracht, mit einer eifrigen Wallfahrtstätig¬keit. Zwischen der Adelsgruppe und den andern Mönchen wieder gab es seltsame Diskussionen und Spannungen, die soweit gingen, daß 1506 die Adelsgruppe den Abt einen Tag lang in Haft nahm. Den Untersuchungsprozeß gewann indes der Abt. Er starb aber schon 1507.
Eine energische kriegerische Auseinandersetzung brachte den Kaiser Max 1504 zum erstenmal nach Gengenbach. Denn zu allem Überfluß gab es im Tal auch noch Kriegswirren zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten von Heidelberg, welcher Pfandinhaber der benachbarten Herrschaft Geroldseck war. Die Reichsstadt mußte natürlich dem Kaiser Heeresfolge leisten, und von der Kriegsbeute bekam dann die Stadt die Pfandschaft über das Dorf Berghaupten. Mit der Heimburgerverfassung wurde das Dorf ins Stadtgebiet eingegliedert. Jetzt hatte das Reichsstadt-Gebiet den größten Umfang erreicht, die natürliche Einheit unserer Landschaft war auch politisch errungen! Leider aber, da es gerade damals an flüssigen Geldmitteln fehlte, konnte die Stadt die Pfandschaft über Berghaupten nicht einlösen. Dies gelang vielmehr den Geroldseckern selbst, und so ging Berghaupten der Stadt später wieder verloren.
Der neue Abt von 1507 bis 1531 war Philipp von Eselsberg, der Hauptvertreter des Humanismus in Gengenbach, eine bedeutende Gestalt in der Klostergeschichte, „gewaltig klug und gelehrt", ein Freund von Kaiser Maximilian. Der Kaiser hat den gelehrten Freund zweimal besucht, 1504 und 1511, und sich jedesmal längere Zeit in Gengenbach aufgehalten. Er hatte hier auch ein eigenes Jagdgebiet.
Die Nachlässigkeit in der klösterlichen Wirtschaftsverwaltung hatte mittlerweile unerträgliche Formen angenommen. Alles Wissensnötige war früher vorschriftsmäßig in Büchern aufgezeichnet, doch waren infolge der Nachlässigkeit der Vorgänger die Bücher in solchem Umfang verloren gegangen, daß der neue Abt keine Kenntnis von allem früher Vorgegangenen gewinnen konnte, was vielerlei Schä¬den und Nachteile mit sich brachte. Abt Philipp sah es daher trotz der Widerwärtigkeit der Zeit als seine Hauptaufgabe an, die verlotterte Verwaltung zu sanieren. Er packte es als einziger am richtigen Ende an, indem er klare, zuverlässige und übersichtliche Unterlagen zusammenstellte.
Das Mühlstein-Territorium, das früher einmal aus der Hand der Abtei herausgewachsen war, konnte er 1512 wieder erwerben. 1513 ließ er die Rechtslage für jedes einzelne der adeligen Mannlehen aufzeichnen, was freilich wieder nicht ganz vollständig wurde. 1520 bestellte er einen Ausschuß von erfahrenen Gotteshausmannen, die als Großgrundbesitzer ihn beraten mußten, wie die abteiliche Verwaltung und Wirtschaft rationalisiert und rentabel gestaltet werden könnte. Er stellte auch eine Art Formelbuch zusammen, was den Verwaltungsbetrieb modernisierte und vereinfachte.
Seine bedeutendste Leistung war unstreitig die Zusammenstellung des augenblicklich geltenden Verwaltungs- und Herrschaftsrechtes für die gesamte Klosterherrschaft. Diese Gesamtverfassung wurde vom Kaiser im Jahr 1516 als Riesenurkunde feierlich verkündet und blieb bis 1803 in Kraft. Daraus läßt sich allein schon die Notwendigkeit, Wichtigkeit und brauchbare Beschaffenheit dieses Werkes ermessen. Schon allein diese Tat sichert dem Abt Philipp von Eselsberg einen besonderen Ehrenplatz in der Geschichte der Abtei. Ebenso entschlossen ließ er 1508 die Leibeigenschaft durch einen Vertrag mit der Reichsstadt für 1100 Gulden ablösen. Damit entfiel der jährliche Zinspfennig aller Gotteshausleute im Gengenbacher Kirchspiel sowie die sogenannte Leibfallabgabe. Abt Philipp war einer der ersten in Deutschland, der die Leibeigenschaft in dieser Form abschaffte. Wegen des niederen Ablösungsbetrages wurde er jedoch später in der Chronik abfällig beurteilt.
In jenen Tagen wuchs allenthalben die Unruhe unter den Volksmassen und brachte zuweilen eine revolutionäre Stimmung hervor. Viele waren gegen das Kloster aufgebracht. Der unbewältigte wirtschaftliche Niedergang ließ die Gengenbacher eine Hetze gegen die Abtei entfesseln, um nach deren Besitz und Rechten greifen zu können, in der trügerischen Hoffnung, daß dann weniger Steuern zu bezahlen wären. Eine solche Aussicht wird in unruhigen Zeiten gern von Agitatoren genährt, und daran hat es auch damals nicht gefehlt.
Unter den Hetzern befand sich auch Konrad Knecht von Hagenweiler im Elsaß, Stadtpfarrer an der Leutkirche, der sich Servitor oder auch Servitoris nannte. Er war Weltgeistlicher und hatte hohe Fürsprecher gehabt. Kaiser Max und Bischof Albrecht von Straßburg hatten seine Bewerbung um die Pfarrerstelle in Gengenbach unterstützt. Bei solchen Fürsprechern konnte das Kloster nicht ablehnen. Weil man jedoch im Kloster die Weltgeistlichen kannte, ließ der Abt vor dem Straßburger Hofgericht den Konrad Knecht die Bedingungen anerkennen, unter denen ihm die Pfarrei auf Lebenszeit übertragen wurde. Aber es dauerte nicht lange, da stellte er offen Ansprüche auf höheres Einkommen, verfolgte dieserhalb die Mönche vielfältig und verhetzte die Leute. Das Kloster übergab die Entscheidung dem Bischof, der 1511 nach den früheren bischöflichen Festsetzungen sein Einkommen bestimmte. Aber noch immer nicht gab er sich damit zufrieden. In Abwesenheit des Abtes drang er samt Anhang mit Gewalt ins Kloster ein und bedrängte die Mönche, so daß diese ihn mit Wein und Geld beschwichtigen mußten. Er verlangte, daß die Klosterkirche für den Pfarrgottesdienst benützt werden dürfte. Das allerdings lehnten die Mönche auf das entschiedenste ab, und der von Servitor beeinflußte Rat ließ diese Forderung fallen.
Wie schlimm die Lage war, deutet eine kaiserliche Urkunde von 1511 an: „Die Klosterrechte können nicht geruhiglich gehandhabt werden, weil der Abt, das Kloster, die Klosterleute, Höfe und Güter von ihren Anstößern täglich angefochten, bedrängt, belästigt werden und in unbillige Kosten kommen, wodurch das Gotteshaus in großen Verfall geraten und zu befürchten sei, daß es völlig verderbe und der Gottesdienst nicht länger gehalten werden könne." Der Kaiser gebot insbesondere dem Grafen Wilhelm sowie den Städten Offenburg, Gengenbach und Zell, das Kloster bei seinen Rechten zu belassen, nicht dagegen vorzugehen, sondern ihm Beistand zu tun bei Vermeidung der kaiserlichen Ungnade.
Durch das längere Verweilen des Kaisers in Gengenbach und durch sein Einschreiten trat für längere Zeit eine Beruhigung ein. Erst in den zwanziger Jahren ist ein nunmehr systematisches Vorgehen gegen die Abtei festzustellen.
Die kirchliche Opposition fand mitterweile in Luther und Calvin nicht nur religiös-kirchliche, sondern auch politische Sammelpunkte. Der landschaftliche Ausstrahlungskern für die kirchlich-politische Reformation in der Ortenau war das calvinische Straßburg. Mit diesem war Gengenbach, wie schon erwähnt, durch viele Fäden verbunden. Zur Zeit des Abtes Philipp war der Straßburger Humanist Nikolaus Capito der Klosterarzt, und allein schon durch ihn ergab sich eine Verbindung mit dem berühmten elsässischen Humanistenkreis. Sein Sohn Daniel Capito erhielt zusammen mit dem Vater ein klösterliches Ambachtlehen in Berghaupten. Er war nämlich Reichskammergerichtsassessor und also wohl der juristische Berater des Abtes.
Straßburg wurde von den Reformatoren im Sinne der neuen politischen Anschauungen umgestaltet. Der dortige Magistrat nahm auch das Religionswesen an sich und regelte es durch Ratsverordnungen. Dergleichen war ein willkommenes Vorbild auch für den Gengenbacher Rat. Es war für ihn zu verlockend, auch in Gengenbach die Aufhebung der politischen Selbständigkeit der Abtei zu betreiben. Doch war das in unserer Stadt nicht so einfach, denn hier gab es mehrere Interessenten.
Der seit 1509 vom Kaiser nur als beamteter „Hauptmann" zu Ortenberg eingesetzte Landvogteiverweser Graf Wilhelm von Fürstenberg hatte die religiösen und politischen Umwälzungen gleichfalls in Straßburg kennengelernt. Er war ein gelehriger Schüler dieser Ideen und wollte sie an dem ersten Reichsstand der Ortenau, der Abtei Gengenbach, durchführen. Freilich war es widersinnig, daß der Schirmvogt des Klosters, der alles Widrige von der Abtei fernhalten sollte und dafür bezahlt wurde, dessen heftigster Bedränger und Feind wurde.
Wilhelm von Fürstenberg hatte schon früh seine Heimat verlassen und war immer rasch dabei, wenn es irgendwo etwas zu handeln und zu kämpfen gab. Bei Franz von Sickingen war er 1522 Mitstreiter, als dieser für die kleinen Reichsritter die geistlichen Herrschaftsgebiete einziehen wollte. Er schloß sich dem Straßburger calvinischen Protestantismus an und suchte ihn mit allen Mitteln in den von ihm verwalteten Landen einzuführen. 1525 kämpfte er erfolgreich gegen die Bauernheere bei Böblingen und Sindelfingen. Grundsatzlos, wie er war, diente er als Landsknechtsführer bald dem Kaiser, dessen Günstling er sogar anfangs war, gegen Frankreich, bald dem französischen König gegen den Kaiser. Später war er eng verbunden mit den Führern des Schmalkaldischen Bundes, nämlich mit dem Landgrafen Philipp von Hessen, dem Herzog Ulrich von Württemberg und der Stadt Straßburg. Mit diesen kämpfte er gegen den Kaiser.
Da Wilhelms eigene Herrschaft Kinzigtal mit Wolfach und Haslach so schön an die Abteiherrschaft grenzte, hoffte er, in dem Durcheinander jener Zeit durch sein Terrorsystem die weltliche Klosterherrschaft oder wenigstens ihren wertvollsten Teil, die Grafschaft Gengenbach, an sich ziehen zu können und so das schmale Einkommen aus seiner Stammherrschaft beträchtlich zu verbessern. Als rauher Kriegersmann setzte er sich über alle verfassungsrechtlichen Beschränkungen seiner Tätigkeit als Kastvogt der Abtei bedenkenlos hinweg. Jahrzehntelang war er der gefürchtete Diktator der Ortenau. Nur der Abt wagte es zuweilen zaghaft, sich seinem harten Regiment zu widersetzen, und wieder konnte Abt Philipp hier seine politisch-wirtschaftliche Gewandtheit zeigen.
Graf Wilhelm, der Gengenbacher Rat und der Pfarrer Servitor, jeder von seinen eigenen Absichten aus, versuchten die Existenz der Abtei zu untergraben. Bevor diese Pläne jedoch voll ausgereift waren, wollte der Abt die Gegner trennen. Im Kloster war fast kein junger mönchischer Nachwuchs mehr. In wenigen Jahren wäre es daher von selbst eingegangen und der Besitz in die Hände der Gegner geraten. Um dies zu verhüten, wollte Abt Philipp unter Abänderung eines früheren Planes das bisherige Benediktinerkloster in ein weltliches Chorherrenstift umwandeln, und seiner glänzenden Beredsamkeit gelang es denn auch, von Papst Clemens VII. im Jahr 1523 die vorgeschlagene Umwandlung durch einen Erlaß zu erwirken.
Die Stadt wäre nach einigen Zugeständnissen damit zufrieden gewesen, da sie ja kein Interesse daran hatte, die rücksichtslose Faust des Grafen an Stelle der weichen Hand des Klosters zu erben.
Aber das Vorgehen des Abts war nun wieder nicht im Sinne des Fürstenbergers. Er widerstand heftig und ging jetzt aufs Ganze. Den Abgabepflichtigen der Abtei verbot er geradezu, den Zehnten und die Leibfälle dem Kloster zu entrichten, um diesem die Existenzgrundlage zu entziehen, und auch durch sonstige vielfache Schikanen versuchte er, die Mönche geneigter zu machen, seinem radikalen Plan zuzustimmen. Danach sollte das Kloster gegen eine lebenslängliche Pension der Mönche aufgehoben und die Verwaltung des Klostereigentums ihm übergeben werden. Abt und Convent widersetzten sich, worauf der Graf kurz entschlossen den ganzen Convent gefangensetzte. Im Februar 1525 schworen die Mönche Urfehde und stimmten unter Zwang dem Plan zu, allerdings mit der Bedingung, daß zuvor die Einwilligung vom kaiserlichen Stellvertreter erlangt werde, andernfalls sollte der Handel ungültig sein.
Aber die Zustimmung vom Reichsregiment ließ auf sich warten. Dagegen bekam - ein halbes Jahr später - der Graf den Befehl, die Mönche zur Verwaltung und zum Kloster freizulassen und nicht daran zu hindern. Der Kaiser wollte die Angelegenheit auf dem Reichstag zu Speyer 1526 regeln. Noch 1527 beschwerte sich das Kloster über Graf Wilhelm, weil er die Reichsverfügung nicht befolge und die Klostergemeinschaft ständig dadurch beschwere, daß er ihnen Diener und Reiter ins Kloster lege, ihnen die notwendig gebrauchten Pferde weghole, drei Fuder Wein (zu je 24 Ohmen!) verlange, davon zwei umsonst, ihnen in der ganzen Landvogtei Ortenau den Zehnten und die Leibfälle sperre, ihnen ihr Haus in Straßburg entziehe usw.
Auch in der Ortenau war es 1525 zu Bauernunruhen gekommen. Das Kinzigtal selbst war daran unbeteiligt. Die Klosterbauern konnten ja kaum berechtigte Klagen vorbringen. Aber in Hausach und Hornberg waren zwei rührige Aufwiegler, nämlich die dortigen Stadtschreiber, also gar keine Bauern, sondern ehrgeizige, studierte Stadtleute, die auch in der Gengenbacher Gegend unermüdlich für den geheimen Bundschuh geworben haben. Sie verbreiteten die geheimnisvolle Mär vom Schwarzwaldkönig, der als Bauernkönig den Menschen das goldene Zeitalter bringen werde. Aber weder im hinteren noch im vorderen Kinzigtal ließen sich die Bauern betören, und sie taten gut daran. Indessen zog ein Haufen aufrührerischer Bauern aus der Rheinebene gegen Stadt und Kloster Gengenbach heran, um sich einen festen Stützpunkt zu verschaffen. Am 9. Mai 1525 kamen sie an, lagerten vor den Mauern der Stadt und versuchten durch Verhandlungen zu erreichen, daß die Stadt mit ihnen gemeinsame Sache mache. Aber Stadt und Kloster hielten sie ge-meinsam fern. Die Bauern wagten es nicht, gegen die wohlbefestigte Stadt mit Ge-walt vorzugehen und zogen erfolglos ab.
In dieser Zeit waren im Kloster noch neun Mönche, davon fünf vom Adel einschließlich Abt und vier Bürgerliche, darunter der Prior. Nach dem Vorbild von Straßburg und Offenburg „vereinigten sich Schultheiß, Meister, der Alte und der Junge Rat einerseits und die ganze Gemeinde zu Gengenbach andererseits dahin, das Kloster zu ihren Händen zu nehmen und an sich zu bringen".
So sah der Graf, wie allmählich Bestrebungen stärker wurden, die seinen eigenen Plänen entgegenstanden, und so ging er - in Erwartung einer neuen günstigen Gelegenheit - dazu über, für sich persönlich möglichst viele Sondervorteile aus der Abtei herauszuschlagen.
Erst 1530 griffen der Lehensherr in Bamberg und als kirchlicher Oberherr der Bischof von Straßburg in diesen Handel ein. Sie verlangten, daß der Plan, das Kloster in ein Chorherrenstift umzuändern, fallen gelassen werde. Als dann auch der Kaiser seine Genehmigung versagte, wurde dieses Vorhaben für immer begraben. Die Reichsiegierung gab dem Kloster wenigstens einen tüchtigen Ober-Schaffner als eine Art Amtsperson, die sozusagen den kaiserlichen Oberschirmherrn darstellen sollte. Als dieser jedoch hier warm genug geworden war, arbeitete auch er für seinen persönlichen Eigenvorteil, so daß die Mönche vom Kaiser seine Entfernung forderten und auch erhielten.
Über die Protestantisierungsversuche des Landvogts erfahren wir immer wieder kleine Streiflichter. Sein leidenschaftlicher Helfer war der Pfarrer Servitor (Konrad Knecht), der die Mönche durch Einschüchterung und Terror gefügig machen und sie aus der Klosterkirche und den Klostergebäuden entfernen wollte. Er befolgte „in seinen göttlichen Ämtern und Predigten nicht die Befehle der kaiserlichen Majestät, woraus dem Stift Gengenbach in der Zukunft bedenklicher Nachteil und Schaden entstehen kann". 1540 heißt es von dem reformierten Mitpfarrer, daß er der Nachfolger Konrads sei, also wird dieser kurz zuvor gestorben sein. Aus dem eben zitierten Wortlaut ist jedoch zu entnehmen, daß er noch immer Meß-Gottesdienste gehalten hat, vielleicht mit Abänderungen. Der Gottesdienst nach der alten Liturgie hat in beiden Kirchen nie aufgehört. Es wurden zuweilen zweierlei Liturgien gefeiert. In welchem Umfang die Gengenbacher selbst sich zur neuen Lehre bekannten, wissen wir nicht. Der Rat jedenfalls scheint zum guten Teil Anhänger der Reformatoren gewesen zu sein.
1523 weilte der Straßburger Reformator Martin Butzer in Gengenbach und predigte in der Martinskirche. 1529 wurden neununddreißig Rottweiler, die wegen ihres evangelischen Glaubens Rottweil verlassen mußten, vom Gengenbacher Rat aufgenommen. Die Stadt besaß nämlich das kaiserliche Vorrecht, ungehindert Geächtete ohne Prüfung aufnehmen zu dürfen. Auch auf dem Augsburger Reichstag 1530 wird der Vertreter des Gengenbacher Rats bei der protestantischen straßburgischen Gruppe aufgeführt, andererseits befand er sich auch bei denjenigen Reichsständen, die damals den Kaiser ausdrücklich ihres Gehorsams versicherten.
Abt Philipp hatte also ungewöhnlich schwierige Umstände zu meistern gegen offene Gewalt, Nötigung, Verhetzung, Aufruhr, Rechtslosigkeit, den widersetzlichen Zeitgeist und schließlich gegen die reformatorische Bewegung in der Gestalt der straßburgischen kirchlich-politischen Machtballung. Seine Klugheit und Gewandtheit ließen ihn aber bei aller Ungunst der Zeit und trotz der Übermacht der entgegenstehenden Mächte das schwankende Schifflein des Klosters so lenken, daß es bei seinem Tode immer noch einigermaßen wohlgefügt dastand.
Als er am 24. Juni 1531 starb, waren nur noch wenige Mönche im Kloster. Jetzt griff Graf Wilhelm entschlossen ein. Es gelang ihm, die Wahl seines Vertrauten, Melchior Horneck von Hornberg, zum Abt durchzusetzen. Dessen Amtszeit (1531 bis 1540) war eine der verhängnisvollsten für die Abtei. Offen trat er zum Calvinismus über. Sein Charakter und sein Leben werden als unerfreulich geschildert. „Auch beraubte er das Kloster-Archiv und verschleuderte dessen Güter." Im übrigen war er ein gefügiges Werkzeug des Landvogts. Schon gleich nach seiner Wahl mußte er „aus beweglichen Ursachen" für ein Jahr auf die Verwaltung der Klosterherrschaft gegen ein Jahrgeld verzichten. Es war der erste Vorstoß des Grafen, die Verwaltung der Klosterherrschaft direkt in die Hand zu bekommen. Danach allerdings mußte er wieder den Abt zur Regierung zulassen, denn die Reichsbehörde merkte gleich, worauf es der Fürstenberger abgesehen hatte. Doch unterwarf er den Abt solchen Beschränkungen, daß er in Verwaltungsangelegenheiten praktisch völlig vom Grafen abhangig war. Solchen Zumutungen hatte sich Abt Philipp stets mit Erfolg widersetzt. Jetzt war der Prior Friedrich von Keppenbach die Seele des Widerstandes. Aber er konnte viele Entscheidungen des Abtes, vor allem, wenn sie vom Grafen verlangt wurden, nicht verhindern.
Die Protestantisierung der Bevölkerung wurde in diesem Jahrzehnt weiter gefördert. Der württembergische Reformator Blarer zählte 1537 Gengenbach zu den evangelischen Ständen. Der Vertreter des Rats unterschrieb auch 1541 bei der evangelischen Gruppe das Protokoll des Regensburger Religionsgesprächs.
Als 1534 in Straßburg die Pest wütete, kam eine große Fluchtwelle von Straßburgern nach Gengenbach, die hier auch eine Schule haben wollten. Die Schulhoheit war eine Angelegenheit der Abtei. Nur gegen den Widerstand des Priors gelang es mit Hilfe des Grafen und des Rates, eine evangelische Schule nach Straßburger Muster aufzumachen, die auf Betreiben des Straßburger Reformators Hedio von seinem Freund und Landsmann Matthias Erb († 1571) anfangs geleitet wurde. Als Erb 1537 wegging, sank die Schule von ihrer Höhe herab und verschwand dann wieder. Wir fügen hier gleich an, daß 1541, als Straßburg erneut von der Seuche heimgesucht wurde, mit vielen geflohenen Protestanten auch das Straßburger Gymnasium bei uns Aufnahme fand. Gengenbach galt als die protestantische Stadt der Ortenau, Offenburg als die katholische.
Da bei solcher Lage und dem geringen Personalbestand des Klosters der frühere Plan, die Mönche zu pensionieren, erfolgreich zu werden versprach, griff ihn der Graf 1539 erneut auf. Aber die Bestätigung durch das Reich war nicht zu erlangen. Als alles im besten Zuge zu sein schien, starb 1540 Abt Melchior. Noch kurz vor seinem Tode hatte er die schon früher geäußerten, auf die weitere Protestantisierung hinzielenden Wünsche des Rates genehmigt, nämlich die Einstellung zweier protestantischer Prädikanten, die aus Kloster-Einkünften bezahlt werden sollten. Es wurde von ihm auch zugelassen, daß Predigt und andere göttliche Ämter und was zum Pfarrdienst gehört, in der Klosterkirche gehalten werden. Bis dahin waren auch in der Martinskirche immer noch Meßgottesdienste gehalten worden, denn es gab noch katholische Kapläne wahrend der Reformationszeit sowohl an der Martinskirche als auch auf der St. Erhardspfründe in der St. Nikolauskapelle.
Der Nachfolger Melchiors wurde der Prior Friedrich von Keppenbach, Abt von 1540 bis 1555. Vorher war er der Berglepfarrer gewesen, der bei seinen Wallfahrts-predigten großen Zulauf hatte. An der Nordwand der Kapelle lesen wir außen heute noch die Jahreszahl 1539. Das war gerade die Zeit seiner Tätigkeit als Berglepfarrer. Schon weit vorher war stets ein Conventuale, wohl immer ein guter Prediger, jeweils der Wallfahrtsgeistliche gewesen. Im übrigen gab es zu dieser Zeit außer dem neuen Abt nur noch einen einzigen Mönch bürgerlicher Herkunft im Kloster.
Der neue Abt war mehr ein Asket und eine Natur, die der Gewalt möglichst nachgab. Er mußte die Prädikanten und die sonstigen Zugeständnisse Melchiors dulden, und er hatte auch die Verpflichtung auf sich genommen, nicht in die Wahl eines fremden Abtes einzuwilligen. Soweit gab er dem Verlangen des Grafen nach. Der aber stellte noch weitergehende Forderungen, die selbst Friedrich ablehnen mußte. Da ließ ihn der Graf gefangen aufs Schloß Ortenberg bringen. Von dort allerdings befreite er sich durch einen kühnen Sprung von der Mauer.
Statt seiner früheren Pläne wollte inzwischen der wendige Fürstenberger auf andere Weise zu seinem Ziel gelangen. Er setzte neben den Abt einen „Statthalter" ein für die Verwaltung mit der Bezeichnung „Coadjutor", wodurch er zugleich zum Nachfolger des Abtes vorausbestimmt werden sollte, zuerst den erst siebenjährigen Grafen Otto von Eberstein und an dessen Stelle 1543 den jungen Grafen Anton von Salm, obgleich beide weltlichen Standes waren. Bis zur Volljährigkeit des jungen Salm und zur Überwachung des Abtes brachte Graf Wilhelm einen unehelichen Sohn des alten Salm, Dominicus von Reims, als Prior ins Kloster, und dieser holte tatsächlich 1554 den jungen Salm als Coadjutor in die Abtei. Die Schwäche des Prälaten duldete auch dies.

In Gengenbach wirkten zu jener Zeit drei Prädikanten: Lucius Kyber, Thomas Lindner und Lorenz Montanus. Sie ließen 1545 einen evangelischen Katechismus drucken für Gengenbach und die Nachbartäler, den sie dem Stadtrat widmeten. Ein Exemplar des Katechismus ist uns erhalten geblieben, heute befindet es sich im Gengenbacher katholischen Pfarrarchiv. 1546 hielt Hedio eine evangelische Visita-tion ab. Es war die erste und letzte im damaligen Gengenbach.
Trotz der engen politischen und religiösen Verbindung des Rates mit Straßburg führte diese Stadt einen jahrelangen Prozeß gegen Offenburg, Gengenbach und Zell, der 1544 beendet wurde. Die Sache, um die es ging, wird leider nirgendwo angegeben. Jedenfalls aber hat dieser Prozeß die Begeisterung des Rats für Straßburg ziemlich abgekühlt.
Wieder einmal führte Graf Wilhelm, diesmal auf Seiten des Kaisers, in einem Krieg die Landsknechte gegen den französischen König. Dabei wurde er 1542 gefangen genommen. Seufzend mußten auch die Gengenbacher mithelfen, ihn durch ein hohes Lösegeld zu befreien.
Den großen Plan, seine Herrschaft Haslach um das Klostergebiet zu vergrößern, konnte der Graf nicht mehr verwirklichen, aber er wollte sich nach seiner Befreiung auf andere Weise versorgen. Es ging ein Gesuch von ihm an den Kaiser, er möge vom Abt erwirken, daß er vom Kloster auf Lebenszeit jährlich 1000 Gulden „zur Unterhaltung seines Grafenstands" erhalte. Das war nicht gerade bescheiden, nachdem er 1527 vom Kaiser schon eine stattliche Erhöhung seiner Schirmgefälle erlangt hatte, und so wurde sein neuer Plan auch gar nicht ernst genommen.
Verärgert schloß sich der Graf nur noch eifriger dem Schmalkaldener Bund an und versammelte hier in unserer Gegend 2000 Mann gegen seinen kaiserlichen Herrn. Des Grafen Bruder Friedrich schrieb damals an den Amtmann zu Haslach: „Hätte mein Bruder den Abt nicht gefangen und dergleichen Handlungen unterlassen, so hätte ich vielleicht die kaiserliche Majestät zufriedengestellt. Was ich aber an einem Ort gut mache und mit meinen schweren Zügen und Diensten verdiene, stürzt er wieder um, was dann dem Stamm und Namen Fürstenberg zum Verderben gereicht und mich zuletzt in Ungnade bringt." Nach dem Sieg des Kaisers wurde Graf Wilhelm 1547 seiner Länder und Ämter entsetzt, und nicht nur im Kloster hat man bei dieser Gelegenheit aufgeatmet. Er starb 1549. An seiner Stelle wurde vom Kaiser sein Bruder Friedrich zum neuen Landvogteiverweser und Schirmherrn des Klosters eingesetzt.
In religiöser und kirchlicher Hinsicht war man in Gengenbach nicht zur Ruhe gekommen. Nachdem der Gemeindegottesdienst nicht mehr in der Martinskirche, sondern in der Klosterkirche gehalten wurde, behinderten dort die Calvinisten den Abt „an den Ämtern der heiligen Messe und an den sieben Tag-Zeiten". Da der Schirmvogt nicht einschritt, verwies der Abt die Calvinisten wieder in die Martinskirche.
Im übrigen zeigte schon bald darauf der Rat eine größere Nachgiebigkeit. Inzwischen war nämlich auf dem Augsburger Reichstag das sogenannte Interim (= Zwischenregelung) vereinbart worden, das auch der Gengenbacher Rat angenommen hatte. „Damit er nicht für rebellisch gehalten werde", richtete er an den Abt die Bitte, die Pfarrkirche wieder zu versehen. Dies wurde auch dem Landvogt gemeldet, allerdings mit dem Anfügen, daß man neben der Messe und anderen Zeremonien auch die Prädikanten predigen lassen sollte. Das lehnte Graf Friedrich ab, und damit hörten die reinen Predigtgottesdienste der Prädikanten auf, worauf diese Gengenbach verließen.
Da keine Mönche zur Verfügung standen, ernannte der Abt den gelehrten Cornelius Eselsberger zum Pfarrer an der Martinskirche. Damit tat er einen glücklichen Griff. Jener war ein Mann von seltener Bildung, Kanzelberedsamkeit, ungewöhnlicher Frömmigkeit und Tatkraft. Er unterrichtete die Pfarrkinder in seinen Predigten mit großem Eifer und wurde dadurch auch innerlich der Wiederhersteller der katholischen Religion in unserer Stadt. Sein heiligmäßiger Lebenswandel unterstützte sein erfolgreiches Wirken. Ihm übertrug der Abt auch die einige Zeit aus Mangel an Mönchen stillgelegene Schule. Seine Erfolge erbrachten ihm die Ernennung zum Erzpriester (= Dekan) des Landkapitels Offenburg, wodurch seine Arbeit auch in die andern Pfarreien hineinstrahlte. Nach einem an Ehrungen reichen Leben starb er nach 1566.
Indessen hielten sich noch protestantisch-dogmatische Anschauungen oder sie wurden von außen wieder hineingetragen. Um 1560 wurde nämlich ein anonymes Flugblatt in Gengenbach angeschlagen mit Angriffen gegen das Meßopfer. Dagegen wandte sich Eselsberger in seinen Predigten und in der Flugschrift: „Antwort auf die Schrift, in welcher das Amt der heiligen Meß unbilligerweise angetastet und verworfen wird."
Beim Gengenbacher Altersheim steht ein Gedenkstein, der oben im Rund das Brustbild des Pfarrers Eselsberger zeigt mit dem Umschrift: „Wahres Bildnis des Gengenbacher Stadtpfarrers Cornelius Eselsberger, der im Jahre des Herrn 1560 diese Stadt, die im katholischen Glauben wankte, wieder festigte."
So waren es im Grunde nur diese beiden Männer, der Abt und der Stadtpfarrer, welche die Gengenbacher ohne irgendwelchen behördlichen Zwang im katholischen Glauben wieder stärkten. Durch seine Anspruchslosigkeit hatte der Abt sich viele Sympathien erworben, und es gelang ihm auch langsam, einige Ordnung in die Verwaltung zu bringen und das Verhältnis zwischen Stadt und Abtei zu nor¬malisieren.


Um diese Zeit beunruhigte den Rat die Frage: wer wird Landvogt in der Ortenau? Das Haus Österreich bemühte sich nämlich, die Pfandschaft einzulösen. Das war sehr gegen die fürstenbergischen Absichten. Graf Friedrich machte daher alle Anstrengungen, die Städte und andere Nachbarn dafür zu gewinnen, daß sie ihm hälfen, die Pfandsumme aufzubringen, denn er nahm an, daß man lieber Fürstenberg als Österreich zum Nachbarn haben wollte. Aber die Erfahrungen mit Graf Wilhelm waren nicht dazu angetan, irgendjemand zu bewegen, für diesen Plan Opfer zu bringen. Der Rat ließ der Sache ihren Lauf. 1551/56 übernahm Österreich tatsächlich die ungeteilte Landvogtei Ortenau samt der Klostervogtei. Erzherzog Ferdinand von Vorderösterreich, an das die Ortenau angegliedert wurde, residierte weit weg in Innsbruck. Das schien den Gengenbachern angenehm und vorteilhaft zu sein. Nur seine Amtmänner regierten vom Schloß Ortenberg aus.
Ein Jahr lang, 1555/56, forderte auch in Gengenbach die Pest schmerzliche Opfer. Ihr erlag auch Abt Friedrich und einer der Conventualen. Eselsbergers Nachruf auf ihn blieb uns erhalten: „Seine Enthaltsamkeit war so groß, daß er nicht nur durch Fasten, sondern auch mit Ruten seinen Leib kasteite. Statt seines Bettes benützte er meist ein Lager aus Stroh und grobem Tuch, stand um zwei Uhr morgens auf zum Gebet, war stets der erste und letzte in der Kirche, mit Almosen freigebig, demütig in Wort, Kleidung und im Geiste, bei der Arbeit ausdauernd und ein Feind von jedem Luxus." Der plötzliche Tod des Abtes gab Anlaß zu dem wohl unbegründeten Gerücht, daß der welsche Prior ihn vergiftet habe. Testamentarisch vermachte er der Elendsherberge vor Leutkirch 300 Gulden.
Jetzt waren im Kloster nur noch ein junger Conventuale, einige Novizen, der welsche Prior Sonntag sowie der „Coadjutor", der seine Ansprüche vergeblich geltend zu machen suchte. Die maßgebenden Instanzen beachteten ihn nicht weiter. Vielmehr empfahlen alle einmütig und wärmstens den Stadtpfarrer Eselsberger. Da dieser aber kein Benediktiner war, suchte man eine andere Lösung. Gisbert, der junge Abt von Maursmünster, wurde nunmehr zum neuen Abt bestimmt, 1556 bis 1586. Er war aus bäuerlichem Geschlecht, nannte sich Agricola (= Bauer) und verpflichtete sich, wenn er keine adeligen Mönche bekommen könnte, anderer ehelicher Leute Kinder aufzunehmen und in der katholischen Religion zu erziehen. Gisbert zog aber nicht eher in die Abtei, als bis der Prior Sonntag urkundlich auf sein Priorat verzichtet und mit dem sogenannten Coadjutor die Abtei verlassen hatte.
Seit dieser Zeit meldeten sich nur noch Bürgerliche zur Aufnahme ins Kloster. Nachdem die Abtei zuvor fast am Aussterben war, gab es unter Abt Gisbert einen unerwartet zahlreichen Zulauf, über zwölf, woraus wir entnehmen können, daß sich in Gengenbach die religiösen Verhältnisse schnell wieder geklärt hatten.
Erzherzog Ferdinand, der neue Pfandschaftsinhaber, bezahlte die Ablösungssumme in Raten. Er verstand es geschickt, für die späteren Raten von den Städten einen namhaften Beitrag zu erhalten. So steuerte allein Gengenbach 6000 Gulden dazu bei, wozu allerdings die Abtei der Stadt 3000 Gulden vorstreckte und der damalige Stadtschreiber Lauw 2000 Gulden. Die Rückzahlung dieser Schuldigkeiten geschah erst nach dem Dreißigjährigen Krieg. Aber welche Kaufkraftminderung des Geldes war während dieser langen Zeit eingetreten!
Trotz solcher Hilfsbereitschaft machte die Stadt mit der Landvogtei unerwartet schlechte Erfahrungen und die Abtei ebenso mit der neuen Schirmherrschaft. Der auf Schloß Ortenberg wohnende Amtmann wollte nicht glauben, daß die drei Ortenaustädte weitergehende Rechte hätten als die alten elsässischen Reichsstädte. Er verlangte daher, daß unsere Stadt zuerst der neuen Herrschaft huldige. Da aber wurden die Städte schnell hellhörig und verwiesen auf das alte Herkommen, wonach ihnen zuvor der übliche Schwörbrief der Herrschaft überreicht werden müßte. Solange hielten sie einfach die verfallenen Reichssteuern einige Jahre zurück. Dies wiederholte sich bei jedem neuen Unterlandvogt. Jeder versuchte durch Überredung die Huldigung zu erlangen. Aber das städtische Mißtrauen war nicht mehr zu beseitigen. 1594 glaubte der neue Amtmann, der Widerstand ginge hauptsächlich von Offenburg aus. Er wollte die beiden andern von Offenburg trennen und sich den Gegenpflichtschwur von ihnen geben lassen, dann werde auch Offenburg nachgeben. Er täuschte sich, denn gerade für solche grundsätzlichen Fragen war ja das Dreistädtebündnis geschlossen worden. Sie hielten eisern zusammen mit dem Erfolg, daß Österreich 1680 das alte Herkommen anerkannte; allein das hellwache Mißtrauen blieb für immer bei den drei Städten zurück. Diese endlosen Verdrießlichkeiten bewogen den Rat, 1585 auf dem Röhrbrunnen des Marktplatzes als Zeichen ihrer unantastbaren Hoheitsrechte die ritterliche Schultheißenfigur als oberrichterliche Rolandsgestalt aufzustellen.
Ähnlich stur wandten die Amtmänner die Zermürbungstaktik gegen die Abtei an, die dadurch in noch schmerzvollere Bedrängnis geriet als die Städte. Der Huldigungsschwur des Abtes wurde verlangt und der Gegenschwur verweigert. Jedesmal mußte der Abt von neuem nachweisen, daß er nach seinen Rechten nicht schuldig sei, dem Fürsten zu schwören, dagegen der Landvogt der Abtei. Zugleich wurden die Schutz- und Schirmrechte anläßlich der Abtswahlen immer weiter ausgedehnt. Es war bisher nicht üblich gewesen, daß an die Kastvogtei beim Ableben des Prälaten eine amtliche Todesanzeige geschickt, eine Bestandsaufnahme gemacht, die Abtei versiegelt, die Schlüssel zur Abteitür ausgeliefert, die weltlichen Klosterbeamten und das Gesinde vereidigt und der Wahltag mitgeteilt wurde, damit auch der Amtmann daran teilnehmen könnte. Er begründete dieses Verlangen damit, daß er zur Wahl Gisberts eingeladen gewesen sei - das war die erste Abtswahl gewesen, seit Österreich die Pfandschaft angetreten hatte. Aber lediglich wegen der damals möglichen Schwierigkeiten war der Schirmvogt um Schutz gebeten worden, und so hatte auch die Abtei dies bei den folgenden Wahlen nicht wiederholen lassen. Entweder wurde gewählt, bevor die Beamten eintrafen oder sie wurden abgewiesen, wogegen sie jedesmal protestierten. Aber es blieb nicht bei dem Protest. Auch in der Ortenau - und zwar in den besten Anbaugebieten - hatte das Kloster Grundherrschaften und Rebhöfe. Mitten im Dreißigjährigen Krieg, als das Kloster schon sowieso in äußerster Not war, ließ die vorderösterreichische Re¬gierung den Klosterwein nach Offenburg schaffen. Auf die Rechtsbeschwerde der Abtei hin sperrte die Regierung der Abtei überhaupt alle Einkünfte aus dem Gebiet der österreichischen Landvogtei.
Auch dieser Streit zog sich bis 1683 hin, wo er durch eine Konferenz beigelegt wurde. Es wurde anerkannt, daß die Kastvogteirechte sich nicht auf die Erwählung eines neuen Abtes erstreckten, sondern nur auf die weltliche Jurisdiktion bis zur vollzogenen Wahl. Die Abtei will künftig den Tod eines Prälaten und den Wahltag anzeigen, das Gesinde kann für die Zeit der Sedisvakanz in Gelübde genommen und die Abtei versiegelt werden, aber nur unter Beidruckung des Konventsiegels. Durch das energische Einschreiten Bambergs hatte Österreich die Einnahmensperre schon vor längerer Zeit aufheben müssen. Auch hier blieb natürlich ein böses Mißtrauen gegen Österreich lebendig.
Gleichwohl war Abt Gisbert sonst stets entgegenkommend. Da er sich „mit Anleihen, Rückbürgschaften und in anderer Weise gehorsam und gutwillig erzeigt hatte", wurde er 1573 mit dem Titel „ihrer fürstlichen Durchlaucht Rat" geehrt und ihm dabei vom Erzherzog eine Ehrenmünze überreicht.
Immer näher kam unterdessen die Zeit des Unheils: der Dreißigjährige Krieg. Der Kriegsschauplatz zog sich in den ersten zwölf Jahren nicht in unsere Gegend. Aber die ständigen Truppendurchzüge mit ihren Einquartierungen verschafften der Stadt und ihren Bewohnern Beschwerungen genug. Schließlich jedoch, im September 1632, erschreckte auch die Gengenbacher der unheimliche Ruf: „Die Schweden kommen!" Man verlor indessen nicht gleich den Mut. Die verlangte Übergabe lehnten die Gengenbacher mutig ab. Die Stadt wurde in Verteidigungszustand versetzt und die Angriffe der Schweden abgewiesen, bis General Hörn mit seiner Artillerie ankam und sogleich die Kanonen gegen das Leutkircher Tor richtete. Jetzt erst schlossen die Gengenbacher mit den Schweden eine Vereinbarung und öffneten die Tore. Es wurde ihnen zwar Schutz zugesichert gegen Zahlung einer hohen Summe, aber trotzdem erfolgte die später oft wiederholte Flucht der Bewohner in die Berge. Bis auf drei gingen die Mönche in andere Klöster, zum Beispiel nach Villingen oder in ihr Haus in Rottweil. Das jeweilige Übergewicht der Waffen bestimmte von da an das Schicksal Gengenbachs, zeitweise war es von den Schweden besetzt, meist aber von den Kaiserlichen.
Im September 1634 lagen viele schwedische Soldaten im Kloster, die eines Tages von den Kaiserlichen überfallen, teils niedergehauen, teils gefangen nach Villingen geführt wurden. Bald darauf wollten hundert Straßburger Gengenbach erobern und plündern, wurden aber von den Kaiserlichen vertrieben. Stadt und Abtei mußten jeweils an die Kriegsführenden, die die Stadt besetzt hatten, Geld, Getreide, Heu und Stroh liefern, meistens an drei verschiedene Orte gleichzeitig, nach Offenburg, Breisach und Rheinfelden, welches damals die Hauptwaffenplätze und die wichtigsten Punkte am Oberrhein waren. Es gab indessen auch immer wieder längere Zeiten der Ruhe.
In dieser Zeit hätte der Rat gern an der Pfarrkirche Geistliche gehabt, die gleichzeitig Bürgerskinder waren, und forderte daher Weltgeistliche als Pfarrer, die ihm zuvor präsentiert werden sollten. Die Abtei lehnte ab. Darauf führte die Stadt den Getreidezehnten in ihre eigenen Speicher trotz des Protestes von seiten des Abtes. Die Sache wurde von den bischöflichen Obergerichten dahin entschieden, daß der Magistrat die mit Gewalt weggenommenen Zehntfrüchte unter Androhung der Exkommunikation der Abtei wieder zustelle und eine Geldbuße zahle. Der Rat dürfe nicht nach seinem Belieben Klostergeistliche ablehnen und einen Weltgeistlichen anfordern. Nachdem diese Angelegenheit friedlich beigelegt war, wollte der Rat den Pater Leonhard Feinlein als Pfarrer haben, was der Abt jedoch gleichfalls verweigerte, damit nicht die Stadt behaupten könnte, er habe ihnen den Pfarrer gegeben, den sie verlangt hätten. Der Rat bezeugte nun schriftlich, daß er sich damit kein neues Recht anmaßen, sondern nur eine Bitte aussprechen wollte, und damit gab sich der Abt zufrieden.
Daß nun der Pater Feinlein doch noch - im Jahre 1640 - Pfarrherr der Leutkirche wurde, hat, besonders für uns in der Gegenwart, eine gewisse Bedeutung bekommen. Denn eben der Pater Feinlein ist es gewesen, der in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges ein ausführliches Tagebuch schrieb, das uns erlaubt, einen Blick zu tun in die Schicksale Gengenbachs in dieser schweren Zeit. Leider ist von dem Tagebuch nur der Abschnitt des Jahres 1643 erhalten, ein Jahr allerdings, das für Stadt und Kloster das schlimmste des ganzen Krieges war. Es heißt darüber in diesen Aufzeichnungen:
„Den 2. Sonntag in der Fasten, 1. März 1643, als man den Gottesdienst anfangen wollte, hat sich eine reitende Abteilung der Weimarischen Armee vor der Stadt sehen lassen. Weil dann aber der Obristleutnant Bysinger mit mehr als 100 Pferden allhier angelangt war, ist er auf sie losgegangen, jagte sie bis nach Haslach, wo schon über 500 Weimarische lagen, welche plötzlich gegen Bysinger und Rittmeister Groß von Offenburg einen Ausfall wagten, etwelche ihrer Soldaten niederhieben und gefangen bekamen. Als beide am andern Morgen sich noch allhier befanden, kam von den Weimarischen unversehens der schwedische Obrist Roßwurm mit tausend Reitern, welche das Städtlein umringten, also daß die zwei kaiserlichen Offiziere sich kümmerlich durch die Flucht retteten und von den Ihrigen einige verloren. Darauf wurde Gengenbach aufgefordert, die hiesigen Soldaten, 70 Mann mit dem Leutnant Michael Schöffel aus Offenburg ziehen zu lassen. Man schlug ihnen die Übergabe des Ortes ab, weil man der Hoffnung war, es würde nicht gerade die ganze feindliche Armee anrücken. Wider Vermuten ist doch am Dienstag, 3. März, der General Graf von Guebriant mit der ganzen Armee angelangt. Weil der Kommandant sich nicht gleich ergeben wollte, ließ er die Stadt mit Kanonen beschießen, doch auch einen Fähnrich hereinschicken unter der Bedingung, daß wir auch einen Fähnrich hinausschickten. Nachdem dies geschehen, aber kein Vergleich wegen der Sicherheit der Soldaten, Pardon und Zug nach Offenburg hatte können getroffen werden, ließ der schwedische General seinen Fähnrich wieder zurückfordern. Nachdem er über das Schutzgatter hinausgekommen, ist unser Fähnrich, der seiner¬seits hereinwollte, von ihnen wieder zurückgenommen worden mit der Drohung, wenn sich jetzt der Kommandant nicht ergeben würde, sollte alsbald dem Fähnrich das Leben genommen und nach Eroberung der Kommandant aufgehängt werden.
Weil man bei solcher Gestalt der Sache nicht wußte, was zu tun wäre, und die armen Pfarrkinder in die höchste Lebensgefahr geraten und mitsamt dem Fähnrich das Leben lassen müßten, bin ich (Feinlein) und Martin Pistorius, des jüngeren Rats allhier, hinausgegangen und mit einem Fußfall bei dem General um Barmherzigkeit und Verschonung der armen Pfarrkinder gebeten, welche sich damalen in der Klosterkirche versammelt hatten. Denn es war nichts Gewisseres zu erwarten als der äußerste Untergang, da der Klosterturm und die Mauern durch starkes Schießen schon etliche Löcher bekommen hatten. Worauf wir vom General die Antwort bekamen: Sofern der Leutnant sich nicht in einer Viertelstunde ergeben werde, soll ein Exempel statuiert werden, dergleichen nicht viel erhört worden, daß auch sogar das Kind im Mutterleib nicht verschont werden sollte. Darauf hat der Leutnant nach geschehenem Bericht sich zu ergeben anerboten, wofern ihm und allen Soldaten Versicherung des Lebens und daß sie nicht ausgeplündert werden sollten, zugesagt würde. Welches dann der General versprochen, und man ihnen darauf die Pforten eröffnet. Die darin gewesenen Soldaten wurden jedoch festgehalten; ist also die Abmachung schlecht gehalten worden.
Darauf haben der Generalfeldzeugmeister, ein Herzog von Württemberg (der das Kinzigtal für sich haben wollte), Obrist Lüzau und General Schönbeck das Quartier im Kloster genommen und alles Guten sich anerboten. Aber als diese Herren des andern Tages, 4. März, abgereist waren, ist der Einfall von rohen schottischen und fläschmarischen Soldaten in das Kloster geschehen, alles ausgeplündert, zerschlagen und verderbt worden, in der Kirche Kelche, Alben, Altartücher genommen, doch vom Rittmeister Rattschein mir in die Kirche ein Kelch wieder zurückgegeben und der Räuber von ihm hart blessiert worden, von anderen Insolenzien zu schweigen. Nach diesem Ruine verblieben die Regimenter allhier 3 Monate ohne weitere Beleidigung.
Anno 1643, den 29. Mai, ist diese Weimarische Armee hinweggezogen. An diesem Tag haben sie die drei Stadttore verbrannt, zwei Türme, nämlich den hinter unserem Chor und den in dem Eck unseres Conventgartens in die Luft gesprengt und zwei andere, nämlich den Turm auf dem oberen Tor und an der Stadtmauer, allwo das Wasser in das Kloster läuft, verbrannt. Was für Angst dermalen unter den Leuten war, mag jeder beurteilen, der in dergleichen Not und Gefahr ge¬wesen ist.
Nach diesem Abzug sind die armen Pfarrkinder, so überallhin zerstreut waren, wieder nach Haus gekommen, waren aber nicht länger als bis zum 26. Juli sicher. Da erscholl abermalen das Geschrei, die ganze Weimarische Armee komme wieder anhero. Worauf dann jedermann aus Furcht die Flucht genommen. Kloster und Stadt waren dergestalt verlassen, daß nicht ein einziger Mensch darin verblieb. Daher alles vom Feind dermaßen verderbt wurde, alle Fässer in den Kellern, alle Tische, Bänke, Tröge, Mühl, Bettladen, Türen, alle Läden, Getäfer, Bretter verbrannt, die Betten ausgeschüttet und Öfen, Fenster zerschlagen, die Reliquien mit Füßen getreten, das Sacrarium spoliiert, die Monstranz zerbrochen, sonderlich alles, was zum Gottesdienst in der Pfarrkirche gehörte, so leer ausgeräumt, daß zur Haltung des Gottesdienstes nicht das Geringste übrig blieb.
Nach solchem gänzlichen Ruin zogen sie am letzten August hinweg über den Rhein, worauf dann die armen Pfarrkinder sich wieder heim begeben, ihre Wohnung wieder hergerichtet und mit saurem Schweiß ihre Nahrung zu suchen angefangen haben in der tröstlichen Hoffnung, es werde nunmehr dieses gottlose Volk nicht mehr an diesen Ort kommen.
Aber leider, als man wieder am sichersten zu sein vermeinte, sind diese Truppen am 1. November wiederum über den Rhein gekommen. Dahero dann zum drittenmal meine Pfarrkinder sich ins Elend begeben außer einigen wenigen, die bei mir blieben in der Hoffnung, es werden diese Völker wegen des äußersten Ruins an diesem Ort nicht verweilen, sondern den Weg anderswohin nehmen. Da sind sie am 4. November unversehenerweise hereingefallen, nahmen alles, was wiederum an Roß und Vieh vorhanden war, mit, plünderten Geistliche und Weltliche aus, zogen sie aus, schlugen und verwundeten sie und gingen dermaßen mit uns um, daß es einen Türken hätte erbarmen können, auch die Kirche nicht geschont, sondern ärger als vorher gehaust, die Altäre zerschmettert, alle Stühle verbrannt, endlich auch
die Stadt angezündet, das Rathaus samt neun anderen Häusern verbrannt und noch in etliche Feuer eingelegt, daß also, wenn nicht ich unwürdiger Pfarrer, Peter Hauser und Jakob Bruder mit etlichen Frauen es gelöscht hätten, die ganze Stadt samt dem Kloster wäre eingeäschert worden."
Bis 1647 hatte die Stadt dann eine verhältnismäßige Ruhe. Die Leute kehrten aus ihren Schlupfwinkeln in den Bergen zurück, jederzeit fluchtbereit mit dem Wenigen, was ihnen die Kriegsfurie übrig gelassen hatte. Dazu richteten sie einen Warndienst ein. Die Gärten und Felder wurden wieder bepflanzt, mit einer Neuerung allerdings. Da nämlich das Getreide regelmäßig von den Soldaten geholt wurde, pflanzten sie als Verlegenheitsfrucht das Welschkorn an, weil die Soldaten es nicht gebrauchen konnten und es daher unbeschädigt bis zur Reife stehen blieb. In späteren Friedenszeiten wurde nach wie vor wieder Getreide als Hauptfrucht gebaut, das Welschkorn blieb als vereinzelte Abwechslungskost.
Im Frühjahr und Sommer 1647 legten sich lange Zeit die rebellischen weimarischen Regimenter im Kinzigtal ins Quartier. Aber schließlich wurde im Herbst 1648 der Westfälische Friede verkündet, der das große Ringen beendete. Unsagbares Elend war fast über jeden gekommen, und für die Zukunft kam noch hinzu, daß bei Kriegsende Stadt und Kloster über und über verschuldet waren.
Noch viele Jahre hausten die Gengenbacher in ihren beschädigten Häusern. Es dauerte lange, bis sie wieder lebensaufgeschlossen wurden und den neuen Aufbau ihrer Stadt mit der nötigen Tatkraft begannen. Noch in den sechziger Jahren lag Trümmerschutt aus der Kriegszeit in den Gassen, und selbst wiederholte Ratsver¬ordnungen halfen dagegen nur langsam.
Immer noch, auch in der Zeit nach dem Kriege, war Pater Feinlein, der uns das Tagebuch hinterlassen hat, Pfarrer in Gengenbach, insgesamt 22 Jahre lang, und in den wirren Zeiten hat er viel Gutes getan. Es wurde ihm allerdings, wie es oft geschieht, wenig gedankt. Auf Drängen der Leute, die es ihm nicht verziehen, daß er auf Seiten des Magistrats stand, kam er 1662 als Pfarrer nach Harmersbach, wo er am Neujahrstag 1689 starb.
Im übrigen gab es noch manche dunklen Kapitel in den Jahrzehnten nach diesem großen Krieg. Vielleicht hat die ständige Angst - zugleich mit dem abstumpfenden Elend - viel dazu beigetragen, daß in den Geist der damaligen Menschen eine so unheilvolle Verwirrung kam. Ein toller Aberglaube breitete sich aus und vergiftete auch in Gengenbach auf unheimliche Weise das Denken der Menschen. So kam es auch hier zu den Hexenprozessen. Sie waren doch etwas Ernsteres als ein polizeiliches Vorgehen gegen kräutersammelnde Weiblein. Abgefeimte Verbrecher machten sich haltlose Frauen hörig, die dann deren Willen ausführten und mit allen möglichen Zauberdingen verderbliche Wetter herbeizuführen, Vieh zu verhexen und Menschen zu töten versuchten.
Von 1572 bis 1681 gab es in Gengenbach 26 Hexenprozesse. Bei ihnen wurde vor allem die Wolfslache als ein bevorzugter Ort der Hexen-Zusammenkünfte genannt. Das Malefizgericht der Zwölfer war auch das Gengenbacher Hexengericht. Es verfuhr gemäß der Strafgerichtsordnung Karls V. und der Ausführungsvorschläge des damals bekanntesten Strafrechtslehrers Carpzow. Unserem heutigen Rechtsempfinden widerstrebt die damals verwendete Folter als Untersuchungsmittel sowie die Strafe der Verbrennung. 1681 wurden zwei Ohlsbacherinnen als letzte Opfer des Hexenwahns im reichsstädtischen Gerichtsbezirk mit dem Schwert hingerichtet, „hernach ihre Körper auf den Scheiterhaufen gelegt und zu Asche verbrannt". Das war wenigstens die humanere Form der Hinrichtung.
Wie bald aber kehrten die alten Ängste und Aufregungen, die Nöte des Krieges, wieder zurück! Kaum dreißig Jahre waren vergangen nach dem Westfälischen Frie-den, als schon die neue Bedrohung spürbar wurde. 1674 nämlich hatte es der fran-zösische König mit seinem neuen Krieg zwar auf die Niederlande abgesehen, be-drohte aber zugleich auch die oberrheinischen Lande. Die Gengenbacher hielten sich unter Opfern zunächst größeren Schaden fern. Als dann 1678 der kaiserliche Kriegsanführer, der Herzog von Lothringen, beim Durchmarsch einige Kompanien zurückgelassen hatte, kam es zwischen diesen und einer französischen Abteilung am Bellenberg zu einem Treffen. Am Abend wurden die Kaiserlichen in die Flucht geschlagen. Doch leisteten die Flüchtigen in den Gengenbacher Bergen längere Zeit hartnäckigen Widerstand und erhielten Zuzug. Von den endlosen Märschen waren die Soldaten erschöpft, und die Bürger und das Kloster mußten zu ihrer Kräftigung 200 Ohmen Wein liefern. Die Ohlsbacher hatten ihren Wein, ihr Getreide und den Hausrat auf die Burg Ortenberg in Sicherheit gebracht. Aber am 26. Juli 1678 eroberten die Franzosen dieses Schloß und steckten es in Brand. Es wurde nicht wieder hergestellt.
Da kamen am gleichen 26. Juli 1678 (St. Annatag) die Franzosen neuerdings vor das Gengenbacher Tor und verlangten durch einen Herold die Übergabe der Stadt. Die Bestürzung war unsäglich, weil sie ohne soldatischen Schutz und nur wenige Bürger noch da waren. Einige beherzte Männer gaben von der Mauer herab den ablehnenden Bescheid. Dabei erweckten sie den Anschein, als ob eine starke Besatzung in der Stadt wäre. Deshalb rückte der Feind ergebnislos wieder ab. Rat und Bürgerschaft machten noch am gleichen Tag das Gelübde, jährlich den St. Annatag wieder wie nach der Pestzeit feierlich zu begehen.
Zum dritten Mal versuchten die Franzosen am 29. Juli mit 7000 Mann unsere Stadt im Sturm zu nehmen. Mittlerweile waren aber Truppen eingerückt. Als die Feinde den heldenmütigen Widerstand der Besatzung und der Bürger spürten, wurden sie verwirrt und gezwungen, sich fluchtartig zurückzuziehen, wodurch die Stadt wieder einmal vor Brand und Zerstörung bewahrt wurde. Im Laufe dieser Ereignisse wurden jedoch die Felder so verwüstet, daß die Bauern keinen Zehnten und keine Abgaben bezahlen konnten. Daher hatte das Kloster nicht genug Nahrungsmittel und die meisten Conventualen mußten in andere Klöster geschickt werden.
Nach einigen Jahren des Friedens und der Wiederherstellung nahte 1689 von neuem das schwarze Verhängnis. Die berühmte Liselotte, Schwester des letzten Kurfürsten von der Pfalz, hatte den Bruder des französischen Königs geheiratet. Obwohl nun Frankreich bei der Hochzeit auf alle Erbrechte an die Pfalz ausdrücklich verzichtet hatte, erhob Ludwig XIV. nach dem Tode des Kurfürsten Erbansprüche und wollte sie mit Waffengewalt durchsetzen. So wurde vor allem das Jahr 1689 eines der dunkelsten der deutschen Geschichte. Eine französische Armee stand damals bei Offenburg. Da lief von ihrem König der Befehl ein, daß alle Orte, die mit Mauern umgeben sind, verbrannt werden sollten. Am Morgen des 7. September 1689 hielten bei der Martinskirche sechs Schwadronen Reiter und einige Bataillone Fußvolk. Da dies vom Turm aus beobachtet worden war, flohen viele Leute in aller Eile zum oberen Tor hinaus. Ein Trompeter begehrte die Öffnung der Tore. Aber die noch anwesenden Bürger mit vielen hereingeflüchteten Bauern sowie einem Leutnant mit 15 Musketieren schlugen es ab und gaben aus Doppelhaken Feuer auf den Feind. Vom Kirchhof heraus entwickelte sich das feindliche Fußvolk, auf das jetzt die Bürger mit Flinten feuerten und etliche töteten. Die Franzosen schickten dann einige hundert Mann über den Nollen, die durch den Schwaiggraben bei der Mühle herauskamen, sich in die Häuser im Oberdorf be¬gaben und aus den Dächern herausschossen. Von den Mauern herab verteidigten sich die Bewohner. Auch auf dem Berg vor der Stadt wurde gekämpft. Da die Einheimischen dort aber keine Schutzwehr hatten, gingen sie auf den nächsten Berg zurück. Die in der Stadt hielten sich bis 7 Uhr abends in der Hoffnung auf Hilfe von Wolfach her. Da aber keinerlei Unterstützung kam, wurde mit dem Kapitän de Vilars, der im vorigen Winter hier im Quartier gelegen hatte, von den Mauern herunter vereinbart, daß den Einwohnern am Leben nichts geschehen sollte, was auch gehalten wurde. Der Feind befahl, daß alle sich in die Klosterkirche begeben sollten. Dann marschierten die Franzosen in die Stadt und nahmen an sich, was ihnen gefiel. Am andern Morgen (8. September 1689) wurden alle Gebäude samt dem Kloster und der Kirche in Brand gesetzt. Das Feuer war so verheerend, daß auch nicht ein einziges Haus in der Stadt unversehrt blieb. Nur die Häuser im Oberdorf und in den Vorstädten blieben erhalten. Der Feind schleppte die verängstigten Menschen aus der Kirche bis nach Offenburg, wo er sie laufen ließ. Im Kloster sind die Scheunen mit den Garben und die Keller mit vielem Wein völlig zugrund gegangen neben sehr vielen Einrichtungsgegenständen, besonders die ungewöhnlich schöne und kostbare große Orgel. Ein Glück war es noch, daß man die Glocken, die Kanzlei und die Bibliothek gerettet hatte. Acht Tage darauf wurden Offenburg und Oberkirch ebenso verbrannt.
Nun mußte also die ganze Innenstadt neu aufgebaut werden, was bei der allgemeinen Verschuldung nur zögernd geschehen konnte. Am Kaufhaus lesen wir die Zahl 1696 als Jahr des Wiederaufbaus, beim Pfaffschen Haus 1699, bei den Patrizierhäusern noch spätere Zahlen. Etwa zur gleichen Zeit erstanden die übrigen Wohnhäuser, die Türme und Mauern sowie das Kloster. Die stattlicheren Neubauten wurden dabei in zeitgemäßen barocken Bauformen erstellt, die wir heute noch bewundern können. Fast noch länger jedoch brauchten die Menschen, bis ihre durch Krieg und Zerstörung verwirrten Gemüter wieder zurück zu Gesetz und Ordnung fanden.
Wie verwildert die Menschen geworden waren, zeigt sich zum Beispiel an einigen der obersten weltlichen Klosterbeamten der Wiederaufbauzeit. Der oberste hatte den Titel Kanzleidirektor oder Kanzleipräfekt, seit 1679 Rütti. Er mußte wegen Fälschungen und fortgesetzten Betrügereien entlassen werden.
Der zweithöchste Beamte war der Oberschaffner, seit 1680 Severin Columban Jüngling. Von 1614 an können wir diesen Namen in Gengenbach nachweisen. Indessen stammte er nicht aus der Gengenbacher Linie. Nach schlechten Erfahrungen sah es das Kloster nicht gern, daß die Oberbeamten sich das städtische Bürgerrecht erwarben, weil es sie leicht in Gewissenskonflikt mit ihren Pflichten als Klosterbeamte brachte. Jüngling erlag der Versuchung, wurde Bürger der Stadt und kaufte sich dort Güter. Er verstand es vorzüglich, die Einfalt und Unkenntnis der Mönche über die wirklichen Verhältnisse mit größter Pfiffigkeit zu seinem eigenen Vorteil auszunützen. Einer seiner Hauptstreiche fiel in das Jahr 1693. Er wollte dem Rat gefallen, andererseits als Hauptinteressent neben einigen Bürgern die Genehmigung erreichen, an der Klosterumfriedigung eine Kelter bauen zu dürfen. Unter schön klingenden Vorwänden überredete er die Mönche, ein langes Stück vom Klostergebiet, und zwar vom Obertor bis zum Kinzigtor, für Speicher und Ställe um den lächerlich geringen Zins von einigen Pfennigen für immer zu verleihen. Schon nach zwanzig Jahren wäre das Gelände nicht um viele tausend Goldgulden zurückzubekommen gewesen. Seit dieser Zeit -war der Boden an der Ostseite des Marktplatzes in der Hand von Bürgern. Wegen der einmalig günstigen Lage verschwanden die Speicher und Ställe sehr bald und machten stattlichen Geschäftshäusern Platz. Dort entstand 1783 auch das neue Rathaus.
Trotz dieser und anderer verderblicher Machenschaften erreichte es Jüngling 1705 durch seine Gewandtheit, daß ihm das freigewordene Amt des Kanzleipräfekten zu seinem bisherigen übertragen wurde. Aber sein Eifer wurde dadurch nicht eben größer als bisher. „Durch seine Nachlässigkeit wurden viele Zinsen verbummelt, die Zahlungsrückstände stiegen beunruhigend an, er unterließ die Protokollierungen (in 24 Jahren schrieb er im Protkokollbuch nur wenige Blätter voll), so daß manche Rechte und Zinsen für immer verloren gingen aus Mangel an Beweisunterlagen. Einige Kurien verpachtete er um ganz geringen Zins als Erb¬lehen, obgleich sie ledig waren und genug gute Angebote vorlagen. Aber er hatte es verstanden, besonders den Abt Augustinus Müller (1696-1726) für sich einzunehmen, der ihn gegen die Bedenken der Conventualen in Schutz nahm." Er starb 1713.
Nach solchen Erfahrungen wundert es uns wahrlich, daß man den übernächsten Oberschaffner, der noch viel schlimmer war, jahrelang auf seinem Posten geduldet hat. Es war Felix Baumgartner, ein Schweizer Landsmann des Abtes, und beinahe ist es unmöglich, alle Verfehlungen aufzuzählen, die ihm zur Last gelegt werden. Er hatte als Stallknecht begonnen, und obwohl er nicht richtig lesen und schreiben konnte, wurde er nacheinander Schreiber, Unterschaffner, Landschaffner und heiratete die Witwe eines früheren Oberschaffners. Er wird als ein „kriechender Schmeichler" bezeichnet, und verstand es meisterhaft, den Abt im Glauben zu halten, daß alles in Ordnung wäre. Schließlich ging er soweit, sich 1718 um die Oberschaffnerstelle zu bewerben, die er auch erhielt. Dabei war er nicht imstande, auch nur eine einzige seiner Pflichten zu erfüllen. Niemals waren die Abrechnungen in Ordnung, Quittungen oder auch sonstige Urkunden wurden nicht ausgestellt, die Zinse nicht richtig eingezogen, niemals hat er die abteilichen Güter visitiert. Auch vor Urkundenfälschungen schreckte er nicht zurück. „Die Bedienung und Aufwartung der Klostergäste machte er sich sehr bequem, da er meist schon am Mittag seinen Rausch hatte und daher abends erst recht nicht erscheinen konnte." Schließlich hat dann der P. Großkeller, der die verbummelte Arbeit selbst übernehmen mußte, alles ans Licht gebracht, und Baumgartner wurde im Jahre 1731 entlassen. Spät genug.
Nach den darauffolgenden Änderungen in der Verwaltung hörten die Klagen über die Oberbeamten auf. Wenn solches bei diesen vorkam, wie mag es dann bei den anderen Ständen ausgesehen haben?
Wie überall war auch in Gengenbach infolge des Dreißigjährigen Krieges die Zahl der Bewohner stark zurückgegangen. Es gab aber auch deutschsprachige Gebiete, die vom Krieg verschont geblieben waren: die Schweiz und Vorarlberg. Aus diesen Gegenden stömten nun viele Bewohner in die jetzt entvölkerten Landstriche am Oberrhein. So auch nach Gengenbach. Hier waren es hauptsächlich Elsässer, Schweizer aus dem Thurgau und Leute aus der Baar. Es waren kluge, arbeitsame Menschen, die der zermürbten Alt-Bevölkerung durch ihre urwüchsige, unverbrauchte Lebenskraft, ihre Arbeitsamkeit und Unternehmungslust neuen Lebens- und Arbeitsmut einflößten, so daß das bürgerliche Leben und der wirtschaftliche Wiederaubau allmählich stärker in Fluß kamen. Bezeichnend dafür ist, daß hintereinander zwei Thurgauer zu Äbten gewählt wurden: Placidus Thalmann, 1680 bis 1696, und Augustinus Müller, 1696-1726, beide aus Wil im Thurgau, deren Namen mit dem Wiederaufbau der Kirchen, des Klosters, der Kurien und der klö¬sterlichen Besitzverwaltung untrennbar verbunden sind, wie das häufige Vorkommen ihrer Abtswappen, besonders des ersteren, eindringlich beweist. Abt Placidus gehört überhaupt in die Reihe der bedeutendsten Gengenbacher Äbte.