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Der letzte Reichsprälat

Der letzte Abt Bernhard Maria Schwörer (1792—1807) war der Sohn des Adlerwirts Andreas Schwörer von Gengenbach und geboren am 17. März 1754. Bei der Taufe hatte er die Namen Georg Jakob erhalten, obige Vornamen waren also seine Klosternamen. Durch den Reichsdeputationshauptschluß fiel die Abtei an Baden, obgleich der Abt seit 1795 versucht hatte, mit Hilfe der Oberlehensherrschaft Bamberg dem Untergang zu entgehen. Das nannte man die Säkularisation der Klöster. Die weltliche Klosterherrschaft ging sofort in badische Verwaltung über. Es war ein fetter Bissen, über den von Roggenbach 1802 geschrieben hatte: „Die Einkünfte können bei besserer Verwaltung hoch getrieben werden!" Der gesamte weltliche Mitarbeiterstab des Klosters wurde dadurch überflüssig und abgebaut. Was die Abtei noch selbst bewirtschaftet hatte, wurde als staatliches Domänengut teils verkauft, teils verpachtet. Die Wälder wurden Staatsforste, wobei die Beholzungsrechte der Bewohner durch Übereignung von Waldteilen (Waldflur „Forstteile" im Haigerach) an die Berechtigten abgegolten wurden. Die alten Erbegüter der Bauern wurden den Inhabern ohne Ausgleichszahlung zu unbelastetem Eigentum überlassen. Die Pachtgüter, Rebhöfe usw. wurden meistbietend versteigert. Dadurch ver¬lor die Stadt auch die bisherige Funktion als Mittelpunktstadt der weitreichenden Klosterherrschaft mit dem üblichen Zulauf der Besucher, was eine weitere Verein¬samung und wirtschaftliche Schwächung des klein gewordenen und schwer verschul¬deten Städtchens bewirkte und jahrzehntelang die Stadtverwaltung vor kaum zu bewältigende Aufgaben aber anzudeuten, daß der jetzige Zustand nicht die ungebrochene Fortsetzung des bis-herigen war, wählte man die Bezeichnung Superiorat, dessen Leitung auch künftig der Prälat hatte. In der Stadt war es sehr begrüßt worden, daß wenigstens soviel erhalten blieb. Allein die Freude darüber dauerte nicht sehr lange. Nach dem neuerlichen Krieg von 1806 gegen Österreich wurde 1807 aus finanziellen Erwägungen heraus die endgültige Aufhebung auch für Gengenbach verfügt, obgleich sich der Abt beim Großherzog persönlich um die Erhaltung des Klosters bemüht hatte. Die jüngeren Patres kamen als Pfarrgeistliche auf verschiedene Pfarreien, die älteren dagegen sowie der Abt wurden pensioniert. Am 28. Juli 1817 starb der letzte Reichsprälat in Gengenbach. Sein Neffe hat ihm ein Grabmal gesetzt, das heute noch außen an der Ostwand der Friedhofskirche zu sehen ist.
Die Liquidierung des restlichen Klostervermögens geschah in wenig würdiger Weise. Die kleineren Gebäude wurden verkauft. Ins Hauptgebäude kamen das Pfarrhaus, die Schule und das Obervogteiamt. Die Klosterkirche wurde jetzt die Pfarrkirche. Jedoch wurden die Einzelstücke im Innern und die sonstigen Kunstgegenstände nach der Versteigerung in alle Richtungen zerstreut: die Altäre, das künstlerisch wertvolle Chorgestühl, die monumentalen Bilder, sogar die Paramente. Nur einen kleinen Teil davon, darunter die Monstranz, vermochte die Pfarrei zu erwerben.
In einer früheren Zeit hatte der Abt Georg Breuning (1605-1617) mit zäher Sparsamkeit die Klosterbibliothek zu einem ungewöhnlich reichhaltigen Bestand erweitert, der schließlich fast alle Bibelausgaben und Kirchenväter mit den Glossatoren und Kommentatoren sowie die bedeutendsten Autoren aller theologischen und anderen Wissengebiete enthielt. Schmerzlicherweise durften aus dieser einmaligen Bücherei mehrere Behörden ihre Bestände vervollständigen: die großherzogliche Hofbibliothek in Karlsruhe (heute Landesbibliothek), die Wiener Hofbibliothek, die Universitätsbibliothek in Heidelberg; der Rest fiel an die Univer¬sitätsbibliothek in Freiburg.
Die einstigen Kirchspielgemeinden blieben mit Ausnahme von Ohlsbach, das 1881 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, wenigstens im kirchlichen Verband der Pfarrei Gengenbach vereinigt und versinnbildlichen bis auf den heutigen Tag die frühere Schicksalsgemeinschaft.