Stadt  >  Geschichte  >  Bistum Bamberg wird Lehensherr der Abtei
Bistum Bamberg
Im Jahr 1007 regierte Kaiser Heinrich II. (1002 – 1024), der Heilige. Der Klosterherr konnte unbeschränkt über das Kloster verfügen, er konnte es teilweise oder ganz verpfänden, verleihen, verkaufen oder verschenken. Es ist möglich, daß schon vor dem Jahr 1000 Teile der klösterlichen Grundherrschaft in andere Hände gegeben wurden. Anzeichen dafür sind vorhanden. Heinrich II. machte von seinem klosterherrlichen Recht einen radikalen Gebrauch. Um diese Zeit gründete er sein Lieblingsbistum Bamberg. Zu dessen Dotierung schenkte er u. a. die Abtei Gengenbach diesem Bistum. Von da an war Bamberg Eigenklosterherr von Gengenbach bis zur Aufhebung 1803.
Klosterherr zu sein war nicht nur ein Ehrenvorrecht, sondern auch eine finanzielle Einnahmequelle. Die Abtei mußte ihm nämlich die sogenannten Empfangsgebühren von 100 Goldgulden bezahlen. Die Regalien (Grafschaftsrechte) und der weltliche Besitz des Klosters mußten jedem Abt neu verliehen werden (sogenannter Vasallenfall), aber auch von jedem neuen Bamberger Bischof (Lehensherrenfall). Dazu mußte der Abt persönlich den 400 km weiten Weg nach Bamberg machen, dort das Lehen nach dem deutschen Lehensrecht mit den üblichen Verpflichtungen empfangen und dafür die Empfangs- und Verwaltungsgebühren bezahlen. Das war oft schmerzlich und zuweilen unmöglich. Die 100 Goldgulden wurden nach 1650 mit 300 Gulden der gängigen Münze berechnet.
Das junge Bistum behielt anfangs zwei wichtige Teile der Klosterherrschaft in eigener Verwaltung, nämlich das Rebhoflehen Heimburg (Durbach) wegen des Weins, den es in Bamberg nicht gab, und unmittelbar vor die Abtei die Siedlung Oberdorf mit der Kurie Geißhaut oder Heidinger (durch Verkürzung wurde daraus Heidiger, Haiger). Deren Bewohner mußten Geißen halten und die Geißenhäute abliefern. Sie wurden der Schreibstoff für Bücher und Urkunden. Im Laufe der Zeit wurde dieses Bedarfsgut billiger, und Bamberg konnte es aus seiner Nähe beziehen. Bis der Wein und die Häute in Bamberg waren, war durch die Reise-, Fuhr- und Zollkosten ein Verlustgeschäft entstanden. Deshalb gab Bischof Otto der Heilige (1103 – 1139) die beiden Güter der Gengenbacher Abtei zurück, die ja ebenfalls einen enormen Bedarf an Geißenhäuten hatte. Im Haiger führt heute noch wie damals hinter der Einmündung des Pfaffenbachtals ein alter Weg zu einem jetzt noch stattlichen Berghof mit dem Namen Geißhut (hochdeutsch = Geißhaut) empor. Das ist der Nachkomme der ehemaligen Kurie Geißhaut.