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Besiedlung talaufwärts
In folgender Reihenfolge ging die Erschließung talaufwärts: Von Gengenbach nach Hüttersbach und Einach, von Dantersbach nach Schwaibach, Hetzental und Schön¬berg. Hier entstand zuerst die Kurie Abtsberg. Sie erscheint erstmals 1297 in einer Urkunde. Zu ihrem Bezirk gehörte das Gebiet vom Kloster bis einschließlich Hüttersbach (älteste Namensform Hitzelsbach, dann Hitzersbach und Hittersbach 1811). Sie war zugleich als Rebhof eingerichtet mit der Trotte für alle Winzer um Gengenbach rechts der Kinzig. Vom früheren Rebgelände ist heute nur noch ein Teil mit Reben bestanden. Zu einer Kurie gehörten verschiedene Gebäude, hier zur Kurie Abtsberg zum Beispiel die Schwaige in Hüttersbach, der sogenannte Sennhof. Sein Nachfolger machte im 19. Jahrhundert wegen einer kleinen Heilquelle ein Bad mit Gaststätte daraus, das sogenannte Freßbädle, das inzwischen eingegangen ist. Heute gehört der Abtsberg dem Mutterhaus der Franziskanerinnen in Gengenbach und hat eine ähnliche Aufgabe wie früher erfüllen, die Ernährung der Klostergemeinschaft zu sichern.
Nach der Kurie Abtsberg entstand die Kurie Einach, 1331 zuerst genannt. Ihr Bezirk reichte bis zum Ächterkreuz gegen Dantersbach und bis zur Kinzig. Sie wurde auch Spitalhof vor Einach oder Einacher Herrschaftshof genannt und mußte also Pilger und Durchreisende aufnehmen, besonders wenn in Gengenbach kein Platz mehr war. Heute ist dort das „Staatliche Versuchsgut Einach“, eine wichtige Förderungseinrichtung für die Landwirtschaft. Ursprünglicher Name war Einot. Abtsberg und Einach heißen in einer Urkunde von 1331 „die zwei Einote“ = einsame Waldgegend, ein Hinweis auf die späte Rodung dieser Gegend. Einot wurde mit der Zeit abgeschwächt zu Einet; als man die alte Bedeutung nicht mehr verstand, kam das Wort Einach auf (1521), das den Menschen verständlicher klang.
Zwischen der Kinzig und der Wasserscheide gegen das Nordrachtal öffnen sich zur Kinzig einige kurze Tälchen. Das längste davon liegt gleich südlich von Einach, heißt Schwaibach und ist 2,5 km lang. Es wurde zuerst besiedelt. Die ältere Namensform war Schwaigbach. Eine Schwaige war ein Sennhof = Teil der Kurie, hier also der Kurie Einach. Wie bei den Gengenbacher Burschaften üblich, wurden die Häuser am Talausgang gruppiert für die Hubenbauern und diesesmal gleichzeitig die wenigen Forstbauernhöfe über das hintere Tal verteilt (1287).
Auf der Höhe zwischen Einach und Schwaibach ist ein Punkt, der bis heute den Namen Bademer trägt. Dort hat ein Burgstall, ein Turm des Geleites, gestanden. Im 13. Jahrhundert ist er nicht mehr nachweisbar. Aber das Geschlecht von Bodemer gab es damals noch, natürlich ein Dienstmannengeschlecht der Abtei. Der einzige v. Bodemer, von dem wir etwas erfahren, war 1233 Richter in der Abteiherrschaft.
Noch ein anderes Dienstmannengeschlecht war von hier ausgegangen: die Herren von Sweipach. Aus dieser Familie stammten die ersten Schultheißen der Stadt. Ähnlich wie in Schwaibach entwickelte sich die Besiedlung im nächsten Tälchen Dantersbach (nur 1,6 km lang). 1297 hieß die Kurie Tancrotzbach. Über die Namensformen Danchratspach (1331), Dankersbach (1400) entstand allmählich durch Lautangleichung Dandersbach (1550). Wir haben hier einen der wenigen Fälle, wo wir die Ursache des Namens genau ergründen können. Die erste Siedlergenossen¬schaft stammte nämlich aus den elsässischen Grundherrschaften der Abtei, deren Hauptort damals den fast gleichen Namen Tancrotsheim, später Danchratsheim und schließlich Dangolsheim führte. Es waren Franken.
Auffallend ist das Ende des Lößhügels bei Bergach. Die heutigen Ränder brechen scharf und steil ab in die Tiefe; wie eine künstlich gemachte Geländebank sieht es aus. An ihrem Fuß kann man deutlich erkennen, daß dort in alten Zeiten die Kinzig floß, aber schon längst nicht mehr, als man die Kinzigregulierung in Angriff nahm. Jener uralte Kinziglauf hat sich bei dem Katastrophenwasser von 1430 gebildet. Dessen unvorstellbare Wildheit und Wucht kann man daraus entnehmen, daß bei jener Gelegenheit die natürliche Endzunge des Lößausläufers scharf und glatt weggespült wurde. Die heutigen Ränder geben eine gute Vorstellung von der Höhe jenes Katastrophenwassers. An der weggespülten Endzunge haben wir die Siedlung Hetzental zu suchen, die bei dieser Katastrophe weggeschleust wurde mitsamt dem Lößhügel, an den sie gebaut war. Dann erst sind einige der Obdachlosen auf der Talhöhe seßhaft geworden. Die Höfe hießen dann „uf den Bergen" (1482), das nur noch 1,2 km lange Tälchen später Bergach. Der Zinken Schönberg mit 1,4 km langem Tälchen erscheint erst um 1400.1811 finden wir den Namen Schimbert. Beim Schönberger Talrand erstand wieder die übliche lockere Häusergruppe, in der Nähe die Kurie Schönberg.