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Ausstrahlung der Umwälzung in Frankreich
Gegen Ende des Jahrhunderts strahlte von Frankreich aus eine wachsende Unruhewelle ins Kinzigtal, die auch die deutschen Gemüter ordentlich aufwühlte. Mit unheilvollen Vorzeichen begann das Jahr 1789. An Fastnacht, als die fasnetnärrischen Gengenbacher toll und voll waren, entstand in der Goldschmiedegasse ein verheerender Brand, der fünfzig Häuser in Asche legte. Seitdem heißt jener Straßenzug Feuergasse. Die Revolutionäre warfen in Frankreich alle bisherigen Lebens- und Lehensordnungen um, und viele Flüchtlinge - die „Emigranten" - flohen auch hier ins Kinzigtal. Nach anfänglich schlechten Erfahrungen besann sich der Rat auf unsere Gefahrenlage in der Nähe der französischen Grenze und ging in der Aufnahme von Flüchtlingen sehr behutsam vor. Nur solche wurden noch hereingelassen, die durch Familienverbindungen mit Gengenbach verbunden waren und dadurch eine gewisse Garantie boten. Alle anderen wurden abgewiesen.
Die französischen Revolutionäre schickten schon frühzeitig wortgewandte „Sendboten", die die Kinzigtäler gegen die bestehende Ordnung aufreizen sollten. Sie hatten auch wirklich Erfolg. Schon 1789 hören wir von unruhigen Untertanen in unserem Gebiet, die das strenge Herrenregiment der Zwölfer bekämpften. Am heftigsten erhoben sich die Reichenbacher, die den Ratsverordnungen den Gehorsam verweigerten, die üblichen Dienste unterließen, in den Wäldern nach Belieben Holz schlugen und sich sogar vom Magistrat ein Schreiben erzwangen, daß sie deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden sollten. Zwölf Rädelsführer waren bekannt. Der Rat verschaffte sich einen Reichserlaß, der einen Strafzug durch Kreistruppen auf Kosten der Aufrührer ankündigte. Dieser Erlaß wurde öffent¬lich angeschlagen, worauf sich die widerspenstigen Untertanen auf ihre Schwäche besannen und stillschweigend zur alten Ordnung zurückkehrten. Die Bewegung schwelte indes unterirdisch weiter. Denn noch 1794 widersetzten sich die jungen Leute der Aushebung für das Reichsheer. Der Rat erbat sich schon die Militärhilfe vom Schwäbischen Kreis. Im letzten Augenblick konnte auch hier die für die Be- troffenen kostspielige Exekution vermieden werden. Künftig ließ der Rat keine Sendboten mehr ins Städtchen oder ins umliegende Gebiet.
Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Frankreich endete leider die segensreiche Friedenszeit für unsere Gegend, und die kriegerischen Verwicklungen berührten auch unser Land. Auch jetzt wieder flüchteten besonders die werdenden Mütter aus der weiten Klosterherrschaft in unser befestigtes Städtchen. Der Ruf „Die Patrioten (= Revolutionäre) kommen" hatte die gleiche Schreckwirkung wie der ähnliche Ruf in der Schwedenzeit. Für die hier sterbenden Soldaten ließ die Stadt einen eigenen Soldatenfriedhof zwischen der Leutkirche und der Kinzig anlegen. Am 11. Mai 1799 erlebte unser Gebiet bei den Strohbacher Schanzen das letzte Gefecht.