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Ansiedlungen
Das Oberdorf war natürgemäß die älteste Rodung der Abtei. Wie ging nun so eine Rodung vor sich?
Gengenbach hatte auch Grundherrschaften im altbesiedelten Gebiet. Hier wurden von der Abtei die Siedlungswilligen, meist nachgeborene Bauernsöhne, aufgerufen, eine Genossenschaft zu bilden unter einem vom Kloster bestimmten Bauernmeister, wovon der Name Meier abgeleitet ist. Vom Kloster wurde auch der Siedlungsbezirk festgelegt und durch Lachensteine umgrenzt. Zuerst mußte der Platz für die Wohnhäuser von den Bäumen befreit werden. Dann wurde für die Kurien (= die klösterlichen Verwaltungs- oder Dinghöfe) der Unterbau aus Steinen erbaut und erst darauf ein Fachwerk- oder Riegelbau aufgesetzt. Aus dem Holz der gerodeten Bäume wurden dann auch die übrigen Bauernhäuser – jedenfalls vorläufig – in Blockhausbauweise aufgerichtet, woraus sich bald das Schwarzwaldhaus entwickelte. Die Wurzelstöcke (Stöck oder Köpf genannt) und das nicht gebrauchte Astwerk wurden wie beim Rüttibrennen auf den zum Ackerboden bestimmten Raum gelegt und verbrannt, damit der Boden rasch die nötige Bodengare bekam. Einige Jahre lang wurde das gerodete Gelände gemeinsam bebaut und geerntet. Die Ertragsverhältnisse, der Bodenwert, die Bewässerung usw. wurden dabei genau beobachtet. Später wurden ungefähr gleichwertige Lose (Huben) daraus gemacht und den Mitgliedern der Genossenschaft von der Abtei gegen die üblichen Abgaben zugeteilt. Der Name Hub wird zwar gebraucht, aber es war nicht so, daß die Größe der Huben 60 Morgen betrug. Vielmehr hat man den gerodeten Boden eines Kurienbezirks ungefähr gleichwertig unter die Siedler vergeben. Technisch konnte die Größe der Fläche nicht genau vermessen werden. Verteilt wurde daher nach Behelfsmaßen oder nach dem Augenmaß. Mittelpunkt der ersten Rodung war die Kurie Heidinger, genannt nach dem ersten Meier der Rodung.