Stadt  >  Geschichte
Geschichte der Stadt Gengenbach - älteste Nachrichten
Wenn wir die schöne Landschaft rings um Gengenbach betrachten, denken wir unwillkürlich: so ein prächtiges Fleckchen Erde hat doch sicher schon in den ältesten Zeiten die Menschen angelockt. Aber es gab auch, wie wir noch sehen werden, schwerwiegende Hindernisse für die Besiedlung. Daher hat die Forschung über die Vorzeit der Gengenbacher Gründung auch nur wenig ermitteln können, jedenfalls fast nichts, für dessen Richtigkeit sie einstehen kann.
Nur einige Streufunde menschlicher Tätigkeit in vorgeschichtlicher Zeit sind bisher geborgen worden, die lediglich aussagen, daß in der trockenen Jahreszeit jagende Horden auch unser Gebiet durchstreiften. Vielleicht war das geschickte Volk der Kelten im ersten vorchristlichen Jahrhundert schon dabei, den Kinzigraum als menschlichen Lebensraum zu gewinnen, doch mußten sie sich aus unseren Fluren wieder zurückziehen. Der Name Kinzig, der aus der keltischen Sprache kommt, erinnert noch an sie. Die nach den Kelten einströmenden Germanen wurden seit Cäsars Zeit (etwa 50 v. Chr.) von den Römern wieder zum Lande hinausgedrängt, weil unser Land aus Sicherheitsgründen menschenleer bleiben sollte und daher zeitweise den Namen herzynische Wüste erhielt, bis die Römer selbst ihre ausgedienten Soldaten und Händler hier ansiedelten. So stammen denn auch die frühesten Funde aus der Römerzeit, und damit haben wir die ersten zuverlässigen Anhaltspunkte.
Um den eroberten Großraum zwischen Rhein und oberer Donau zu sichern, mußten die Römer im Jahrhundert Christi mit ihren für die damalige Zeit großen Hilfsmitteln erforschen, wo und wie man am besten durch die gewaltige Quermauer es Schwarzwaldes ins Neckartal mit seinem alten Wohngebiet gelangen könnte. Dabei fanden sie den großen Graben, der den gesamten Schwarzwald durchbrach: das Kinzigtal. Der römische Feldherr Cornelius Clemens führte in den Jahren 73 und 74 einen Krieg gegen die Germanen am oberen Neckar. Er ließ eine feste Römerstraße durch das Kinzigtal bauen, welche das römische Hauptlager Straßburg mit dem Römerlager Rottweil verband.
Die günstige Lage des Gengenbacher Bergle mit seiner Sicht bis in die Rheinebene am Ausgang des Kinzigtals und talaufwärts bis nach Biberach machte diesen Punkt für die Römer besonders geeignet zur Anlage einer Sicherungs-, Verpflegungs- und Übernachtungsstation. Ob hier eine wirkliche Dauersiedlung entstand oder ob es eine bloße Durchgangsstation für die Soldaten und Händler war, ist nicht sicher. Das Bergle mag einen Wartturm getragen haben. Ein Heiligtum des obersten Gottes der Römer, eine Bildsäule mit der Aufschrift „Dem höchsten und besten Gotte Juptiger“, hat lange noch oben gestanden, bis sie 1811 durch den Reichsprälaten Schwörer in den Garten der Abtei gebracht wurde. Nach der Aufhebung des Klosters kam sie später nach Baden-Baden, 1858 ins Landesmuseum Karlsruhe. Die Säule ist mit den Blättern des Pinienapfels verziert. Noch wichtiger als diese Säule ist, daß um den Kastelberg zahlreiche römische Münzen mit den Bildnissen der römischen Kaiser bis um 200 n. Chr. gefunden wurden. Die Römerstraße verlief im übrigen von Ortenberg bis Gengenbach rechts der Kinzig und überquerte erst hier den Fluß. Unterhalb der jetzigen Brücke sind alte Pfähle mit Eisenschuhen zum Vorschein gekommen, die man für Überreste einer römischen Brücke gehalten hat.